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Anfangsjahre der Markgrafschaft Verfassung und Restaurationspolitik Weimarer Republik und NS-Diktatur Die Nachkriegszeit und das Ende Badens Baden nach dem Zusammenschluss
Die Vormarkgräfliche Zeit Schon zu Römerzeiten war Aquae, das heutige Baden-Baden, ein beliebter Kurort. Die Römer schätzten vor allem die heißen Quellen und die verkehrsgünstige Lage der Stadt. Der größte Teil des heutigen Baden kam erst 83 n.Chr. in römische Hand. Damals trennte der Limes die auf der römischen Seite sesshaften Sueben und die römische Provinz Germania Superior von den restlichen germanischen Stämmen im Norden. Bald wird man die Bewohner dieser Region Alemannen oder Schwaben nennen. In der Tat ist Schwaben nicht nur auf Württemberg bezogen, wie es heutzutage bekannt ist, vielmehr sind die Schwaben die Vorfahren aller in Süddeutschland lebenden Bevölkerungsgruppen. Im 8. Jahrhundert erfolgte dann die Christianisierung durch die Franken, welche den Platz im Norden Badens einnahmen. Das badische Haus stammt von den Zähringern ab. Diese gehörten in der damaligen Zeit, neben den Staufern und den Welfen, zu den führenden Familien im Reich. Auch viele andere Häuser, wie zum Beispiel das Haus Habsburg oder das Haus Württemberg, sind mit dieser Familie, mit ihrem Kerngebiet im Südschwarzwald und in der Nordschweiz, verwandt. Das Haus Baden erfuhr von dieser edlen Herkunft erst im 18. Jahrhundert, nachdem der von Carl Friedrich engagierte Historiker Schöpflin, der die Geschichte des Landes und dessen Dynastie erforschen sollte, im Kloster St. Peter im Schwarzwald Beweise für die Abstammung fand. Fortan nannte sich Carl Friedrich auch Herzog von Zähringen. Der Stammvater der Zähringer soll Berthold I. gewesen sein. Sein Name wurde dann auch der Leitname seines Geschlechts. Sein Vater soll der 1024 verstorbene Brezelin von Villingen gewesen sein. Der wiederum soll vom ‚ersten Berthold’, der in der Gründungsurkunde des Klosters Reichenau im Jahre 724 v.Chr. auftauchte, abstammen. Als Zähringer bezeichneten sich jedoch all diese noch nicht. Erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nahm deren Haus den Namen der Burg über dem Ort Zähringen bei Freiburg an. Doch zurück zu Berthold I. Ihm wurde von Kaiser Heinrich III. noch zu Lebzeiten Ottos III. von Schwaben dessen Herzogtum versprochen. Dieses ging jedoch letztlich an Rudolf von Rheinfelden. Als Entschädigung erhielt der tief enttäuschte Zähringer im Jahre 1061 das Herzogtum Kärnten inklusive der Markgrafschaft Verona. Berthold starb 17 Jahre später auf seiner Limburg. Er hinterließ zwei Söhne. Berthold II. erbte Zähringen und Kärnten. Der zweite, Hermann I., wurde schon vor seines Vaters Tod zum ersten Markgraf von Baden. Außerdem erhielt er die Mark Verona. Er war es, der 1073 ins Kloster Cluny ging, wo er als Gänsehirte gedient haben soll, was ihm für diese Erniedrigung vor Gott viel Respekt verschaffte, und wo er schon drei Jahre danach und noch vor seinem Vater verstarb.
Anfangsjahre der
Markgrafschaft Nach der Absetzung des Papstes 1076 durch Heinrich IV. wurde dieser mit dem Kirchenbann belegt. Darauf hin fand in Süddeutschland eine Verschwörung gegen den Kaiser statt. Die drei Herzöge, die ihre Sitze alle im Herzogtum Schwaben hatten, wählten am 15. März 1077 Rudolf von Rheinfelden und Herzog von Schwaben zum Gegenkönig. Berthold II. wurde für seine Wahlentscheidung mit der Vermählung mit der Tochter des neuen Königs, Agnes, entlohnt. Darauf folgte der Gang nach Canossa und die Aussöhnung zwischen Papst und Kaiser. Es begann ein Krieg um die Krone des Reiches, in dem sich 1080 schließlich Heinrich gegen Rudolf behaupten konnte. Dessen Anhänger, darunter auch Berthold II., welcher das Herzogtum Kärnten verlor, wurden bestraft. Für kurze Zeit setzte sich Berthold bei der Besetzung des Herzogtums Schwaben gegen den Staufer Friedrich durch. Auch dieser Streit artete bald in einem Krieg aus, welcher jedoch 1098 mit einem Kompromissfrieden endete. Berthold verzichtet auf Schwaben, erhielt jedoch im Gegenzug die große schweizer Stadt Zürich. Außerdem wurden die zähringischen Besitzungen aus dem schwäbischen Macht- und Zuständigkeitsbereich herausgelöst, was dem Land einen Sonderstatus im Reich einräumte. Auch Hermann II. von Baden profitierte von diesem Friedensschluss. Er bekam die Limburg zugesprochen. Seine Mutter Judith soll das Gebiet um Backnang, aus dem Nachlass ihres Vaters, in den markgräflichen Besitz eingebracht haben. Im Jahr 1122 wurde die Stiftskirche in Backnang gegründet, welche bis ins 13. Jahrhundert die Grablege der Badener gewesen war. Der namensgebende Ort Baden kam 1112 in den Besitz des Markgrafen, der dort die Burg Hohenbaden bauen ließ. Auch erhielt er in dieser Zeit das linksrheinische Gebiet um das Kloster Selz und wurde zu dessen Vogt, die Bevölkerung stieg stark an und es wurden viele Straßen gebaut. Schon im Jahr der Besitznahme des Ortes Baden, wurde Hermann in einer Urkunde als ‚Hermann marchio de Baduon’ bezeichnet. In Zähringen wurde im Jahre 1122 Konrad Herzog, nachdem dessen Vater 1111 und dessen Bruder im Jahre seiner Machtübernahme verstorben waren. Er war es, der die Stadt Freiburg ins Leben gerufen hatte. Nach der Wahl Friedrich Barbarossas zum König wurde die Markgrafschaft Baden, als Dank für die Unterstützung seiner Kandidatur, um den Hof Besigheim erweitert. Auch in den folgenden Jahren demonstrierte Hermann Königsnähe, indem er sich an den Kriegszügen und Unternehmungen des Kaisers beteiligte. Er galt am kaiserlichen Hof aufgrund seiner Markgrafschaft Verona als ‚Italienexperte’ und ‚Chefdiplomat’. Friedrich Barbarossa und Hermann IV. starben beide bei einem Kreuzzug im Jahr 1190. Hermanns gleichnamiger Sohn baute die Kaisernähe in den folgenden Jahren noch weiter aus. Bei Kreuzzügen war er immer an der Seite des Kaisers anzutreffen. Mit seiner Frau Irmgard, der Tochter des Pfalzgrafen machte Hermann V. eine sehr gute Partie. Nachdem deren Vater gestorben war, konnte König Friedrich II. dessen Land vergeben. Als mögliche Anwärter galten die zwei Schwiegersöhne des Pfalzgrafen. Hermann von Baden und Otto von Wittelsbach. Letztendlich setzte sich Otto von Wittelsbach durch. Im Jahre 1218 erlitt das Haus Zähringen seinen Erbfall, nachdem der letzte Herzog des Landes, Berthold V., ohne männlichen Erbfolger verstorben war. Er hielt sich während seiner Regentschaft vom kaiserlichen Hof eher fern. Nach dem Tod Heinrichs VI. hatte er auf eine Kaiserkandidatur verzichtet, denn er wollte kein Geld in eine unsichere Sache stecken. Wieder ging Hermann V. beim Erbe leer aus. Als Entschädigung, wohl auch für die Niederlage bei der pfälzischen Anwärterschaft, erhielt er die Städte Ettlingen, Durlach, Lauffen, Sinsheim und Eppingen teils als persönlichen Eigentum, teils als Pfand, übertragen. Auch der Erwerb der Stadt Pforzheim fiel in diesen Zeitraum.
Herzog Berthold V. von Zähringen Burg Zähringen
Im Jahre 1243 ging der Ort Stuttgart vom badischen in den württembergischen Besitz über. Dies war offensichtlich der Erbteil, welchen Hermanns Tochter Mechthild, nach dessen Tod, in die Ehe mit dem Grafen von Württemberg brachte. Auch dieses Ereignis trug zur Gebietsverlagerung und Konzentration in den nördlichen Schwarzwald bei. 1245 stiftete Irmgard, die Witwe Hermanns das Kloster Lichtenthal, welches für zwei Jahrhunderte zur Grablege des Hauses Baden wurde. Hermann VI. heiratete die Babenbergerin Gertrud, die Nichte des 1246 kinderlos verstorbenen Herzogs Friedrich II. von Österreich. Zwei Jahre nach dessen Tod wurde er als Hermann I. Herzog von Österreich inklusive der Steiermark. Als er 1250 starb erbte sein Sohn Friedrich I. den Thron. In Österreich konnte er sich allerdings nur noch bis 1251 behaupten. Auch er lehnte sich sehr an das staufische Haus an. Er begleitete den Stauferkönig Konradin auf allen seinen Feldzügen und Unternehmungen, was ihm schließlich zum Verhängnis wurde, denn er wurde mit diesem im Jahre 1268 in Neapel hingerichtet. Seine Treue zu Konradin jedoch hielt bis zum Tod. Die Markgrafschaft übernahm sein Onkel Rudolf. Dieser war mehr Regionalfürst als großer Weltpolitiker, was seine Heirat mit dem benachbarten Fürstentum Eberstein verdeutlicht. Doch diese Strategie ging auf, denn nach dem Tod seiner Frau Kunigunde, erbte er das gesamte Gebiet ihres Geschlechts. Der Verlust Backnangs geht wahrscheinlich auf das Jahr 1297 zurück. Das nächste Jahrhundert war in Baden von Erbteilung, Erbfall und Wiedervereinigung geprägt, bis am 16. Oktober 1380 in Heidelberg folgender Vertrag in Kraft trat. Baden durfte von nun an in nicht mehr als zwei Teile geteilt werden. Bei dem Erbfall einer Linie, sollte deren Besitz an die andere Linie zurückgehen. Von nun an wurden die Geschwister der Regierenden mit Renten und Mitgiften in Form von Geld entschädigt. Im Jahre 1391 übernahm Bernhard I. den Anteil seines Bruders Rudolf VII. an der Markgrafschaft, nachdem dieser verstorben war. Seine Bemühungen, Baden zu einem modernen Staat zu machen brachten ihm den Titel ‚Begründer der Markgrafschaft Baden’ ein. Bernhard hielt sich aus Kriegen größtenteils zurück. Stattdessen schloss er Bündnisse mit Württemberg, Österreich, Straßburg, der Pfalz und Speyer. In dieser Zeit erwarb er Altensteig und Herrenberg. Der größte Zugewinn war jedoch der Rückerwerb der Markgrafschaft Hachberg im Jahre 1415. Nach 200 jähriger Trennung von der Hauptlinie musste der Markgraf von Hachberg sein Land, wegen akuter Verschuldung, an Bernhard verkaufen. Am Ende seines Lebens verleibte er noch die linksrheinischen Gebiete der Grafschaft Sponheim und von Pfalz-Veldenz seiner Markgrafschaft ein. Er starb schließlich im Jahre 1431. Auf ihn folgte sein Sohn, der ‚Friedensmarkgraf’ Jakob, welcher stets um Neutralität bemüht war. Trotz dieser Neutralität pflegte er große Nähe zum Kaiserhaus. Sein Sohn Karl I., welcher 1453 Markgraf wurde, heiratete Katharina, die Tochter des Herzogs von Österreich und Schwester des Kaisers Friedrich III. Karls Brüder machte große geistliche Karrieren. Johann wurde Erzbischof von Trier und hatte somit eine Stimme bei der Kaiserwahl. Georg wurde Bischof von Metz. Marcus war als Domherr in Köln und Straßburg aktiv. Außerdem war er Bistumsverweser in Lüttich. Der berühmteste Bruder war jedoch Bernhard II., welcher 1769 selig gesprochen wurde. Zuerst jedoch begann er eine Diplomatenkarriere in Frankreich, Italien und Österreich. An letzterem Ort war er Rat, kaiserlicher Kammerrichter und sogar Heerführer. Zur Zeit des Falls von Konstantinopel rief er zu Kreuzzügen auf. Später war er Kreuzzugsprediger in Italien, wo er 1458 an Pest starb. Er wurde in Moncalieri bei Turin begraben.
Bernhard II. von Baden wurde 1769 selig gesprochen Doch auf einen Höhepunkt der badischen Geschichte folgt auch schon ein schlimmer Tiefpunkt. Im Krieg mit Württemberg und Brandenburg gegen die Kurpfalz musste Karl 1462 bei Seckenheim eine schwere Niederlage einstecken. Er und auch die Fürsten der verbündeten Staaten wurden gefangen genommen. Der Frieden brachte für Baden die Abhängigkeit von der Kurpfalz, Gebietsverluste im Norden und große finanzielle Probleme. Karl starb dann schließlich im Jahre 1475.
Der auf Karl folgende Christoph wahrte die ihm vererbte Kaisernähe. Als der Kaiser 1488 in Brügge gefangen genommen wurde war Christoph im Befreiungsfeldzug ganz vorne mit dabei. Nach der geglückten Befreiung wurde dieser, als Dank für seine Unterstützung, Generalkapitän und Gouverneur des Herzogtums Luxemburg. Zudem wurde er im Orden zum heiligen Vlies aufgenommen und erhielt als Lehen vom Kaiser die Gebiete Rodemachern, Useldingen und Hespringen. Im Jahr 1503 übernahm Christophs Sohn Jakob das Erzbistum Trier von seinem Großonkel. Auch wurde in diesem Jahr die Hachberger Nebenlinie Rötteln erworben. Nach dem Testament des Markgrafen sollte sein Sohn Philipp das Kernland erhalten und der ältere Bernhard sollte demnach die linksrheinischen Besitzungen erben. Doch im Jahre 1510 beendete sein Sohn Ernst seine geistliche Karriere gegen den Willen des Vaters und heiratete Elisabeth von Brandenburg-Ansbach. In diesem Fall gab Christoph, der während seiner 40 jährigen Regierungszeit sein Territorium fast verdoppelt hatte, nach und vererbte ihm das Gebiet um Rötteln und Sausenberg. Der alte Markgraf starb 1527. Sechs Jahre später folgt ihm sein Sohn Philipp I. ohne Nachkommen in den Tod. Die Besitzungen wurden nun wie folgt verteilt. 1535 erhielt Ernst die Markgrafschaft Baden-Durlach inklusive des Markgräfler Landes. Bernhard III. bekam Baden-Baden mit den linksrheinischen Gebieten. Als der 1536 verstorbene Bernhard sein Land dann nicht etwa seinem Bruder, sondern seinem Sohn vermacht hatte, war die Trennung Badens in eine ernestische und eine bernhardische Linie perfekt.
Markgraf Ernst I. von Baden-Durlach Markgraf Bernhard III. von Baden-Baden In diese Zeit fielen auch die Bauernunruhen und der Bauernkrieg, welche sich von Stühlingen im Schwarzwald aus verbreiteten. Mit einem Kompromiss im 1525 in Renchen abgeschlossenen Vertrag konnte der Aufstand eingedämmt und ein Massaker verhindert werden. Der in dieser Zeit aufkommende Protestantismus wurde in Baden-Baden zuerst geduldet, bis der Druck vom Kaiser her wuchs und man ihn vollkommen untersagte. Auch in Baden-Durlach orientierte man sich am katholischen Habsburg. Als Ernst jedoch 1553 starb führte sein Sohn Karl II. im Jahre 1556 die lutherische Konfession ein. Baden-Baden jedoch verblieb im alten Glauben. Einer der größten Reformatoren, Philipp Melanchthon aus Bretten, war ein enger Freund Luthers. Er lebte von 1497 bis 1560. Er reformierte neben der Kirche auch das Bildungssystem dieser Zeit. Er schrieb Grammatikschulbücher und gründete Schulen. Außerdem stand er für die Einheit der protestantischen Kirche ein und wurde nach Luthers Tod zum ersten Protestant im Reich. Der baden-badische Markgraf Philibert war in der Konfessionsfrage sehr unentschieden. Einerseits war er katholisch-kaisertreu ausgerichtet. Andererseits führte er in Lahr-Mahlberg und in den linksrheinischen Gebieten die Reformation durch. Er besuchte katholische und auch lutherische Gottesdienste. Der Grund war wohl seine Mutter, welche in zweiter Ehe den protestantischen Grafen von Nassau geheiratet hatte. Sein Bruder Christoph bekannte sich offen zum Luthertum. Im Jahre 1565 verlegte Karl II. seine Residenz von Pforzheim nach Durlach. Die Grablege der baden-durlachischen Markgrafen verblieb jedoch noch lange dort. Aus der Finanznot hinaus verkaufte der ernestische Markgraf 1594 Besigheim und neun Jahr später auch Altensteig und Liebenzell an Württemberg. Die noch ernstere Finanzlage der Baden-Badener nutzte Karls Nachfolger Ernst Friedrich voll aus und besetzte das Land. Er sicherte sich dafür durch Allianzen mit der Kurpfalz, mit Pfalz-Veldenz, Württemberg und Brandenburg ab. Ernst Friedrichs Bruder wurde, nachdem er zum Katholizismus übergetreten war, 1590 vergiftet. Als der Besetzer Baden-Badens 1604 starb, folgte ihm sein Bruder Georg Friedrich, welcher in der protestantischen Union als Truppenführen eine führende Stellung einnahm. In der ersten Phase des 30 jährigen Krieges musste Georg Friedrich die Besetzung Baden-Badens aufgeben, nachdem die Katholiken vorerst die Oberhand im Kriegsgeschehen errungen hatten. Nun konnte Wilhelm dort die Regierungsgeschäfte aufnehmen, welche er noch sehr lange über den Krieg hinaus innehatte. Auch wurde er kaiserlicher Oberbefehlshaber. Nach seinem Rückzug nach Straßburg starb Georg Friedrich dort im Jahre 1638. Während sich Baden-Durlach in der zweiten Phase des Krieges dem Schwedenkönig Gustav Adolf anschloss, kämpfte der baden-badische Markgraf Wilhelm als kaiserlicher Oberbefehlshaber auf der Gegenseite. Wieder wurde Baden zum Kriegsschauplatz. Durch die großen Erfolge des schwedischen Königs berauscht überspannte Friedrich V. von Baden-Durlach den Bogen und besetzte die habsburgischen Gebiete im Breisgau. Doch seine Pläne platzten schon bald nach der Niederlage in Nördlingen im Jahre 1634, welche ihn zum Gang ins Straßburger Exil zwang. Bei Friedensschluss war die Oberrheinregion eine der am schlimmsten mitgenommenen Gebiete. Auch bei den Fürsten herrschte Not und Armut. Während des Krieges hatte Freiburg 2/3 seiner Bevölkerung verloren. Der Vorkriegsbevölkerungsbestand wurde erst wieder im Jahre 1800 erreicht. Im Jahre 1659 wurde Friedrich VI. von Baden-Durlach nach seiner Hochzeit mit der Pfalzgräfin von Zweibrücken zum Schwager des inzwischen verstorbenen Gustav Adolf. Auch versuchte er sich dem Kaiser anzunähern.
Markgraf Wilhelm von Baden-Baden Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach In Baden-Baden folgte auf Wilhelm im Jahre 1677 sein Enkel Ludwig Wilhelm. Er machte bald, trotz seiner eher französischen Erziehung, in Wien Karriere. Dort nahm ihn sein Oheim Hermann, der Generalfeldzeugmeister, Präsident des Wiener Hofkriegsrates und Verteidiger Wiens im Jahr 1683 gegen die Türken, unter seine Fittiche. Im Mai 1674 begann mit dem Einmarsch der französischen Truppen in die Pfalz und ins Elsass der Krieg gegen den großen Nachbarn im Westen. Am 30. September 1681 fiel die Reichsstadt Straßburg. Auch im rechtsrheinischen Gebiet konnte man den Franzosen nichts entgegensetzen. Dort wurden viele Orte zerstört, was zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führte. Während der Türkenlouis im Osten, weit weg der Heimat, wie zum Beispiel in Slankamen große Siege gegen die Osmanen feierte, musste im Westen seine Regierung ins Landesinnerer flüchten. Im März 1689 zerstörte die französische Armee Heidelberg. Aber auch Bruchsal, Bretten, Pforzheim, Durlach, Ettlingen, Baden-Baden und viele andere Orte wurden nicht verschont. Nach der erneuten Zerstörung 1693 soll Heidelberg nur noch 250 Einwohner gehabt haben. Die Reichstruppen, mit denen Ludwig Wilhelm schließlich versuchte, den Franzosen Einhalt zu gebieten, war zur Defensive gezwungen. Der Friede von Rijswijk brachte nur eine kurze Pause, bevor im Jahre 1702 der spanische Erbfolgekrieg entbrannte. Bevor Markgraf Ludwig Wilhelm im Jahr 1707 starb versuchte er Kurfürst zu werden. Auch kandidierte er erfolglos um den polnischen Thron. Sieben Jahre nach seinem Tod wurde dann in der von ihm neu gebauten Residenzstadt Rastatt der endgültige Friedensvertrag unterzeichnet.
Markgraf Hermann von Baden-Baden Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden Markgräfin Sibylla Augusta mit ihrem Sohn Sein protestantischer Vetter Friedrich VI. eroberte kurz vor seinem Tod Philippsburg für das Reich zurück. Den Thron übernahm dann Friedrich Magnus, welcher versuchte das Land zu reorganisieren und die ersten Konfessionsflüchtlinge aus Frankreich aufnahm. In den Kriegsjahren war das unter dem Schutz der Eidgenossenschaft stehende Basel Hauptresidenz der Baden-Durlacher. In diesen Zeiten versuchte das Haus auch den südlichen Teil der Markgrafschaft, um sie aus dem Krieg herauszuhalten, an die Schweiz anzuschließen, was jedoch nicht gelang. Bevor er im Jahre 1709 verstorben war, schloss er mit dem Türkenlouis einen neuen Erbvertrag ab, welcher die Wiedervereinigung der gespaltenen Markgrafschaft bei einem eventuellen Erbfall bei einer der Linien vorsah. Nun war es an Carl III. Wilhelm, den Wiederaufbau der vom Krieg noch sehr geschundenen Markgrafschaft voranzutreiben. Er war es, der im Jahre 1715 die Stadt Karlsruhe gründete. Bei einem Jagdausflug in den Hardtwald soll er vom Pferd gefallen und mit der Hand auf einen Kuhfladen gefallen sein, auf dem er dann die Grundrisse der neuen Stadt erkannt haben soll. Eine andere Legende erzählt davon, dass der noch junge Markgraf von der Fächerform der Stadt im Traum inspiriert worden sei. Um Stadtbewohner anzulocken gestand er den neuen Siedlern viele Privilegien zu. Unter anderem wurde der Hausbau gefördert und Konfessionsfreiheit gewährt. Dass die neue Stadt keine Festung hatte, zeigte die Hoffnung auf Frieden in dieser Zeit. Zwei Jahre nach der Gründung wurde die Residenz von Durlach nach Karlsruhe verlegt. Carl III. Wilhelm pflegte einen verschwenderischen Lebensstil. Er sammelte exotische Blumen und hatte auch viele Mätressen. Bei seinem Tod 1738 wohnten in Karlsruhe 2652 Menschen. Sein Nachfolger und Enkel Carl Friedrich war damals erst zehn Jahre alt. Er wurde von seiner Großmutter Magdalena Wilhelmine von Württemberg sittenstreng und protestantisch erzogen, was sich später in seinem Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinem Land und Volk spiegelte. 1751 heiratete er Karoline Luise von Hessen-Darmstadt. Sie war Malerin und Kunstsammlerin. Auch verfolgte sie naturwissenschaftliche Studien und korrespondierte mit vielen führenden Köpfen dieses Faches.
Markgraf Carl III. Wilhelm träumt von einer neuen Residenz Markgraf Carl III. Wilhelm von Baden-Durlach
Als Carl Friedrich 1746 Markgraf wurde, war seine Markgrafschaft Baden-Durlach einer der vielen kleinen Einzelstaaten im Heiligen Römischen Reich. Auch nachdem die katholischen Baden-Badener Markgrafen 1771 ausstarben und deren Markgrafschaft an Carl Friedrich fiel, änderte sich nicht viel an der schwachen Stellung Badens. Auf den ca. 3400 km² lebten nun etwa 200.000 Badener. Zwar ging der Machtwechsel nahezu reibungslos von statten, jedoch musste Carl Friedrich dem Unmut über die Vereinigung mit wirtschaftlichen und sozialen Reformen vorzubeugen. Im Jahre 1783 wurde die Leibeigenschaft aufgehoben, was zu einer drastischen Verbesserung des Status der Unterschicht beitrug. Auch wurde die Folter in Baden abgeschafft. Mit diesen Reformen erlangte Carl Friedrich große Popularität beim Volk und erwarb den Ruf eines ‚menschenfreundlichen und reformfreudigen Fürsten’. Man kann sagen, dass der spätere Aufstieg Badens zum Großherzogtum hauptsächlich sein Verdienst war. Trotzdem herrschte zu dieser Zeit großer Pessimismus, da das Land vom Krieg gebeutelt und vor allem im Süden noch sehr zersplittert und von österreichischen Ländereien unterbrochen war. Vor allem von Frankreich ging derzeit große Bedrohung für Baden aus. Zum einen drängte das revoltierende Land immer mehr auf eine Rheingrenze, was die linksrheinischen Besitzungen der Markgrafschaft akut gefährdete, zum anderen gefiel der jungen Republik die Aufnahme flüchtiger französischer Adliger an den badischen Hof überhaupt nicht. Bei dem Krieg Frankreichs gegen Österreich und Preußen wurde Baden zum Aufmarschplatz österreichischer Truppen. Um das Verhältnis zum Kaiser nicht zu verschlechtern wies Carl Friedrich das Neutralitätsangebot Frankreichs zurück. Im September 1792 stellte Baden sogar auf eigene Kosten 1000 Soldaten. Als Gegenleistung wurde ihm, im Falle eines Friedens mit Frankreich, der Ausgleich der Kriegskosten und die Rückgabe der inzwischen französisch besetzten linksrheinischen Gebieten zugesichert. Nachdem die Franzosen 1795 Mannheim besetzt hatten, ein Jahr später den Rhein bei Straßburg überschritten und Rastatt eroberten, entschloss sich Carl Friedrich einen Separatfrieden mit Frankreich abzuschließen. Mit der Führung der Verhandlungen beauftragte er Sigismund von Reitzenstein, der später zu einer der wichtigsten Figuren in der badischen Politik wurde. Während der zuerst vereinbarte Waffenstillstand Baden nur den Rückzug der badischen Truppen aus dem Reichsheer kostete, waren die Bedingungen für den 1796 eingetretenen Frieden teurer. Die Markgrafschaft musste auf die linksrheinischen Gebiete verzichten und aus der antifranzösischen Koalition austreten. Als Ersatz wurde dem Markgrafen in einem geheimen Abkommen einige rechtsrheinische Gebiete versprochen, welche er zu einem späteren Zeitpunkt erhalten sollte. Nach dem österreichisch-französischen Friedensschluss tagte 1797 der Friedenskongress in Rastatt. Der Kongress blieb allerdings ergebnislos, denn Österreich ging schon kurz darauf ein Bündnis mit Großbritannien und Russland gegen Frankreich ein, was erneut zu Krieg führte. Auch in diesem Krieg wahrte Carl Friedrich Neutralität, was das Verhältnis zu Österreich und Russland nicht gerade verbesserte. Nach der Kirche wurden die freien Reichsstädte bei der Regensburger Reichsdeputation zum zweiten großen Opfer der neuen Ordnung Deutschlands. Zu den großen Gewinnern gehörte Baden. Die Markgrafschaft wurde zum Kurfürstentum und bekam Konstanz, Teile der Hochstifte Basel, Straßburg und Speyer, Überlingen, Pfullingen, Gengenbach, Offenburg und die Kurpfalz mit den Städten Heidelberg, Mannheim, Bretten und Ladenburg einverleibt. Vor allem der Erwerb der Kurpfalz, dem einstigen großen und im Krieg dominierenden Nachbar, ließ in Baden große Freude aufkommen. Das im Jahre 1697 an die wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg gefallene Land war weitgehend reformierter Konfession. Der Versuch einer Rekatholisierung scheiterte an der Bevölkerung. Im Jahre 1805 schloss Baden eine Allianz mit Frankreich, nachdem Napoléon in Austerlitz gesiegt hatte und Österreich einige Gebiete an Baden abtreten musste. Dies geschah durch den Frieden von Pressburg. Aber erst ein Jahr später entließ Kaiser Franz II. das vorderösterreichische Gebiet aus dem österreichischen Staatsverband. Im selben Jahr wurde der Rheinbund gegründet, dem vor allem die süddeutschen Fürstentümer angehörten. Dieser Zusammenschluss stand allerdings unter französischem Protektorat und hatte keine eigene Außenpolitik. Die Rheinbundfürsten sagten sich symbolisch vom ‚alten Reich’ ab. Der Beitritt Badens wurde von Napoléon mit der Beförderung zum Großherzogtum und weiten territorialen Zugewinnen von Fürstenberg, Leiningen und Löwenstein-Wertheim belohnt. Leiningen war 1802 selbst erst mit territorialen Zugewinn zum Fürstentum erhoben worden, bevor es 1806 zwischen Baden, Bayern und Hessen aufgeteilt wurde. Zur Grafschaft Wertheim gehörte auch der Ort Niklashausen, der durch Hans Böhm, alias der Pfeifer von Niklashausen, berühmt wurde. Dieser hatte, nachdem ihm die heilige Maria erschienen sein soll, gegen die Obrigkeit revoltiert, indem er in seinen Predigen von einem Strafgericht Gottes über die Eitelkeit und die Gier der Fürsten und Bischöfe sprach. Er lockte viele Pilger in den kleinen Ort. Doch bald wurden dies den Fürsten unheimlich, weswegen sie ihn im Jahre 1476 in Würzburg verbrannten. Fürstenberg hatte wie Baden seinen Ursprung im Zähringer Reich und war somit mit dem badischen Haus verwand. In seiner Geschichte hatte das Fürstentum viele Spaltungen durchlebt. Erst seit 1744 war Fürstenberg wieder ein geschlossenes Territorium geworden. Vor allem in diesem ehemals souveränen Staat war die Integration in den neuen Staat Baden schwerfällig, denn die Fürstenberger wären selbst gerne Großherzogtum geworden. Nichtsdestotrotz wuchs das Großherzogtum Baden in die Traditionen seiner Vorgängerstaaten hinein und gewann durch das mit ihnen angetretene kulturelle Erbe an eigenem Profil. Aber der neuerliche Gebietszuwachs forderte weitere Reformen zur Integration. Unter den neuen Landesteilen gab es untereinander konkurrierende Gebiete. Auch waren verschiedenen Gegenden zum Beispiel nach Basel oder Straßburg ausgerichtet und nicht nach Karlsruhe. Die unterschiedlichen Rechts- und Verwaltungssysteme mussten vereinheitlicht werden. Mit der Ausarbeitung eines Plans wurde damals Johann Brauer beauftragt. Dieser wollte die historischen Traditionen und regionalen Sonderinteressen schonen und keine radikale Neuordnung einführen. Auch sollte Brauer ein Staatsgrundgesetz erarbeiten. Er geriet allerdings schon bald ins Wanken und wurde erst durch Emmerich Joseph von Dalberg und 1809 schließlich durch von Reitzenstein ersetzt. Im Gegensatz zum ‚alten Reich’ bot der Rheinbund einen viel größeren Verhandlungsspielraum für Reformen. Als Vorbild für diese Reformen galt Frankreich. Von Reitzenstein wollte die historischen Traditionen und regionalen Sonderinteressen nicht mehr schonen, im Gegenteil, er schlug einen radikalen Weg der administrativen Neuordnung ein. Baden wurde in 10 Kreise eingeteilt und die Kreisdirektorien dienten als Mittelbehörde und hatte große Kompetenzen. Hauptziel dieser Neuordnung war die Effizienzsteigerung der Verwaltung. Mit dem badischen ‚Code Civil’ wurde das Rechtssystem vereinheitlicht. Der Adel verlor die Souveränitätsrechte, die Steuerprivilegien, den privilegierten Gerichtsstand, die Befreiung vom Militärdienst, die Patronatsrechte für Schulen und Kirche und die juristischen und administrativen Zugehörigkeiten. Die Reformen führten zu einem bürokratischen Zentralstaat im Geiste des aufgeklärten Absolutismus. Die Finanzreform von 1808 verdoppelte die Einnahmen. Allerdings hatte Baden auch höhere Ausgaben, was zu einer sehr hohen Verschuldung führte.
Sigismund von Reitzenstein Carl Friedrich Nebenius Großherzog Carl Friedrich Die Krone des Großherzogtums Baden
Verfassung und Restaurationspolitik Die angestoßenen Reformen beschränkten sich nicht nur auf die administrative Integration, sondern brachten auch den Übergang vom Absolutismus zur modernen Verfassungsordnung. Ein Grund für eine Verfassung war der Staatshaushalt. Diejenigen, welche die Lasten trugen sollten mitreden können. Es sollte ein Landtag entstehen, um das Band zwischen dem Fürst und den Bürgern zu verstärken. Die Ausarbeitung der Verfassung begann im Jahre 1808, sollte aber nach einer längeren Pause erst zehn Jahre später in Kraft treten. Es wurde lange gezögert, bis der Wiener Kongress eine Landständische Verfassung für alle Bundesstaaten forderte. Nun war auch der badische Fürst gezwungen, endlich eine Verfassung für Baden anzunehmen. Es begannen langwierige und zähe Verhandlungen. Das bereits vorliegende Material von Carl Friedrich Nebenius wurde überarbeitet, so dass die Verfassung schließlich am 29. August 1818 in Kraft treten konnte. Sie enthielt die Zusammensetzung, die Einberufung und Auflösung und die Kompetenzen der Ständeversammlung (Landtag). Weitere wichtige Punkte waren die staatsbürgerlichen Rechte, die Gleichheit vor dem Gesetz, die unterschiedslose Steuerpflicht, die Abschaffung der Privilegien, die Freiheit des Eigentums, die Gewissensfreiheit und die Freiheit der Religionsausübung. Die Verfassung wurde in weiten Teilen des Landes positiv aufgenommen. Sie gab den Einwohnern des zusammengestückelten Landes ein politisches Leben als Volk. Der Landtag bestand aus zwei gleichberechtigten Kammern. Die 2. Kammer war ein modernes Repräsentativorgan mit 63 Abgeordneten aus allen Landesteilen. Die Landtagswahl schloss alle Frauen und alle Männer ohne Ortsbürgerrechte am Wohnort aus. In Baden hatte sich das Wahlmännersystem mit einer nicht geheimen Wahl durchgesetzt. Im Vergleich mit anderen deutschen Ländern hatte Baden jedoch eine sehr liberale Verfassung. In der 1. Kammer waren die Prinzen des Herrscherhauses, die Standesherren, die grundherrlichen Adligen, die vom Großherzog ernannten Mitglieder (begrenzte Zahl), je ein Abgeordneter für die evangelische und die katholische Kirche und je ein Mitglied von jeder Universität vertreten. In Finanzfragen hatte die 2. Kammer das Vorrecht, in den anderen Bereichen hatten die 1. Kammer und der Monarch ein Vetorecht. Außerdem durfte die 2. Kammer sich nur auf Vorschlag des Monarchen mit etwas befassen oder Personalentscheidungen treffen. Nach 65 jähriger Regierungszeit starb Carl Friedrich im Jahr 1811 noch vor dem Inkrafttreten der Verfassung. Ihm folgte sein Enkel Carl, dessen Schwester Karoline bayrische Königin und dessen andere Schwester Luise Zarin Elisabeth Alexiewna von Russland wurde. Die Zukunftsaussichten zu dieser Zeit waren unsicher, die Staatsverschuldung hoch und der Krieg war teuer. Nachdem Napoléon in Russland besiegt worden war, waren die badische Zugewinne bedroht. 7000 Mann hatte Baden mit in den Krieg geschickt, jedoch kamen nur noch wenig Hundert zurück. Da Carl mit der Adoptivtochter Napoléons, Stephanie de Beauharnais, verheiratet und Baden sehr grenznah gelegen war, war ein Seitenwechsel schwierig. Schließlich trat Baden im November 1813 doch aus dem Rheinbund aus, gerade noch rechtzeitig, um nicht zur Kriegsbeute von Österreich, Bayern und Württemberg zu werden. Auch beim Wiener Kongress 1814/1815 war die Angst vor Gebietsverlust groß. Österreich wollte seine ehemaligen südbadischen Besitzungen und Bayern die Kurpfalz zurück, doch Baden konnte sich behaupten, um das Mächtegleichgewicht zu erhalten und auch dank der Unterstützung der russischen Verwandtschaft. Auch die Problematik der Erbfolge, die entstand, weil Carl keinen männlichen Nachkommen hatte, wurde von Bayern genutzt, um die Kurpfalz doch noch zurückzubekommen. Doch auch dieses Problem wurde mit einem Erlass zum Haus- und Familienstatus, der die Unteilbarkeit Badens garantierte, gelöst. Um das Machtvakuum, dass das ‚alte Reich’ und der Rheinbund hinterlassen haben wieder zu füllen, wurden 1815 der ‚Deutsche Bund’ gegründet, dem Baden, nach der Schlacht von Waterloo, am 26. Juli relativ spät zeitgleich mit Württemberg beitrat. Auch Baden war nun einer der 41 Mitgliedsstaaten, die sich sehr deutlich in Einwohnerzahl und Fläche unterschieden. Der Oberrheinstaat rangierte im vorderen Mittelfeld. Die Aufgabe des Bundes bestand darin, die innere und äußere Sicherheit Deutschlands zu erhalten und den Frieden zwischen den Mitgliedstaaten zu garantieren, jedoch hatte der Bund innenpolitisch nur geringe Kompetenzen gegenüber den Einzelstaaten. Als Großherzog Carl 1818 starb folgte ihm sein Onkel Ludwig, das schwarze Schaf der Familie, der sehr zurückgezogen lebte und mit der bürgerlichen Katharina Werner liiert war, auf dem Thron. Carl hatte zwar offiziell keinen männlichen Nachkomme, es ranken aber viele Gerüchte um einen heimlich durch eine Fehlgeburt ersetzten Junge, der im Jahre 1828 in Nürnberg unter dem Namen Kaspar Hauser auftauchte, 1833 ermordet wurde und bei dem es sich um den Sohn Carls handeln könnte. Andere Gerüchte besagen, dass Kaspar Hauser der uneheliche Sohn Napoléons und Großherzog Carls Ehefrau Stéphanie de Beauharnais war.
Großherzogin Stéphanie und Großherzog Carl Kaspar Hauser Großherzog Ludwig I. Gottfried Tulla Im Jahr 1819 fanden die ersten Landtagswahlen in Baden statt. In der zweiten Kammer dominierte das gehobene Bürgertum. Davon waren 1/3 Beamten. Zu dieser Zeit gab es noch keine Parteien und erst mit der Zeit bildeten sich lockere Gruppen. Die meisten Mitglieder bezeichneten sich als Liberale, denn sie befürworteten die Reformen, die Verfassung, etc. Sie forderten die Aufhebung der Zollschranken, die Einführung von Geschworenengerichten, die vollständige Trennung von Verwaltung und Justiz und die Fortsetzung der Agrarreform. Bei dem konservativen Großherzog Ludwig stießen sie damit aber auf strikte Ablehnung. Die Verfassung war ihm sowieso schon immer ein Dorn im Auge gewesen und er suchte nach Möglichkeiten den Landtag zu schwächen und die eigene Position zu verbessern. Der größte Streitpunkt zwischen Großherzog und Landtag waren die Adelsprivilegien. Während sich Ludwig für die Rückgabe der Privilegien einsetzte, lehnte die Bürgervertretung dies vehement ab. Aber das war nicht das einzige brisante Thema auf der Tagesordnung des Parlaments. Auch die deutsche Zollpolitik, die Gewerbefreiheit und die Justizreform sorgten für weitere Spannungen. 1822 wurde dann das Ständehaus, der Tagungsort des Landtag fertiggestellt. Schon ein Jahr später schloss Ludwig den Landtag im Streit um den Militäretat. In diesen Zeiten dachte er sogar daran, die Verfassung wieder abzuschaffen, was er aber nicht wagte, denn die Folgen waren nicht abzusehen. Deshalb beschloss er eine Verfassungsänderung zu seinen Gunsten auf ‚verfassungsmäßige Art’ durchzusetzen. Im Vorfeld der Wahlen 1825 wurde eine große Kampagne gestartet. Auch schrak er nicht vor Wahlmanipulation zurück, was dazu führte, dass fast keine Liberalen mehr im Parlament saßen. Mit seinem neuen Parlament setzte er durch, dass das Budget nur alle drei statt vorher zwei Jahre vom Landtag bewilligt werden muss. Auch wurden die Abgeordneten jetzt alle sechs Jahre ausgewechselt, statt der bisherigen Partialerneuerung. Ludwig starb im Jahre 1830, doch niemand trauerte um den konservativen Landesfürsten. Seine Regierungszeit wurde im Gesamten als sehr negativ empfunden. Man muss allerdings auch seine Verdienst aufzeigen. Er war ein sparsamer Fürst gewesen, der nicht davor zurückschreckte auch an seinen eigenen finanziellen Zuwendungen des Staates zu sparen. Die Zusammenlegung der reformatorischen und der lutherischen Kirche im Jahre 1821 zählt genauso zu seinen Verdiensten, wie der Bau der ersten evangelischen Kirche in Freiburg, der Ludwigskirche. Auch ist der Erhalt beider badischer Universitäten in Freiburg und Heidelberg und die Gründung der polytechnischen Hochschule in Karlsruhe, der heutigen Technischen Hochschule, ihm zu verdanken. Zudem fiel die Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla in seine Regierungszeit. Diese Maßnahmen hat Baden nicht nur Großherzog Ludwig zu verdanken, sondern vor allem seiner Regierung. Mit seinem Tod machte auf dem Thron Platz für seien Stiefbruder Leopold, dem ältesten Sohn aus Carl Friedrichs zweiten Ehe. Verheiratet war dieser mit Sophie, einer Tochter des schwedischen Königs. Viele nahmen seine Thronbesteigung positiv auf und die liberale Opposition hoffte auf bessere Zeiten, denn der 1790 geborene Leopold galt als ein Bürgerfreund. Unter den Eindrücken der französischen Julirevolution zog er die konservativen Hauptrepräsentanten des Landes zurück, um eine Ausbreitung der Unruhen auf Baden zu vermeiden. Im Innenministerium folgte auf Christian von Berckheim der alt gediente hohe Beamte Ludwig Winter, der für Reformen sehr aufgeschlossen war. Bei den Landtagswahlen 1831 wurde die Wahlbeeinflussung von Seiten der Regierung, mit dem Ergebnis, dass in den Landtag 20 entschiedene und 12 gemäßigte Liberale, 20 politisch indifferente und nur 10 Regierungsanhänger einzogen, unterlassen. Die Führer der Liberalen waren Karl von Rotteck und Adam von Itzstein. Zuerst setzte sich der Landtag mit der Forderung nach Zurücknahme der Verfassungsänderung gegen die Regierung durch, aber auch in vielen anderen Punkten konnte sich der liberale Landtag gegen die Regierung durchsetzen. Die wichtigsten Reformen in diesen Jahren waren die Kommunal- und Justizreformen. Sie stärkten die Selbstverwaltung der Kreise und trennten die Justiz von der Verwaltung. Unter Druck geriet die badische Regierung erst, als die erste und die zweite Kammer gegen die Bundesrichtlinien die völlige Pressefreiheit forderten, Österreich aber dagegen war und Baden Gewalt androhte, wenn denn die völlige Pressefreiheit in Baden gestattet würde. Der in die Enge getriebene neue Großherzog entschied sich für einen Kompromiss. Bei innenpolitischen Themen sollte Pressefreiheit walten. Über die Politik der anderen Staaten oder die des Bundes sollt jedoch nicht frei geschrieben werden dürfen. Während die Bürger und die Liberalen Baden als Musterland und Vorbild für andere Länder sahen, wuchs die Kritik von Seiten der Nachbarstaaten. Vor allem Metternich widerstrebte der freie Regierungsstil Leopolds. Nach dem Hambacher Fest verstärkte auch Preußen den Druck gegen Baden, so dass der Großherzog die Freiheit der Presse nach Gewaltandrohung wieder zurücknehmen musste.
Großherzog Leopold Großherzogin Sophie Im Jahre 1832 kehrte Reitzenstein aus seinem Ruhestand ins politische Leben zurück, denn der Großherzog wollte neben dem gemäßigten liberalen Winter als Chef des Innenministeriums auch den eher konservativen Reitzenstein als Gegengewicht in der Regierung. Auch die Außenpolitik war zu jener Zeit ausgeglichen besetzt. Dem liberalen Außenminister Türckheim stand der konservative Blittersdorf als badisches Mitglied im Frankfurter Bundestag gegenüber. 1835 trat Baden dem deutschen Zollverein bei. Ende des selben Jahres verschärfte Leopold seinen Kurs gegen die liberale Opposition, indem er Blittersdorf zum Außenminister ernannte. Dem 1838 verstorbenen Winter folgte erst der gemäßigte Reformer und Ausarbeiter der Verfassung Nebenius, der jedoch schon ein Jahr später von Blittersdorf, auf Drängen von Berlin, Wien und Frankfurt, abgelöst wurde. Mit dem konservativen Blittersdorf als Superminister für Inneres und Äußeres intensivierte sich der Kampf gegen den liberalen Landtag. Gegenseitige Provokationen führten 1842 schließlich zur Auflösung der Volksvertretung. Bei den Landtagswahlen im selben Jahr versuchte die Regierung wieder vom alt bewährten Mittel der Wahlbeeinflussung gebrauch zu machen, jedoch mehr oder weniger erfolglos, denn die Liberalen ließen sich nicht entmutigen. Erstens war der Politisierungsgrad 1842 wesentlich höher als bei der ersten Wahlmanipulation und zweitens wurden der liberale Wahlkampf diesmal zentral organisiert. Mit seiner guten Organisation erzielte Itzstein einen guten Effekt. Zwar hatten die Liberalen keine Mehrheit mehr, aber sie waren trotz Wahlbeeinflussung von Seiten der Regierung stärker als die regierungstreuen im Landtag vertreten. Das Wahlergebnis war eine deutliche Niederlage für Blittersdorf, der vor allen anderen für die Manipulation verantwortlich war. Auch bröckelte die Unterstützung seiner eigenen Ministerien, so dass er zur Kooperation gezwungen war. Bis 1843 gab er dann seine Ämter Stück für Stück wieder ab. Nun war er dann nur noch badischer Vertreter im Bundestag.
Nach dem Rücktritt Blittersdorfs entspannte sich das Verhältnis zwischen Regierung und Landtag. Neuer Außenminister wurde Alexander von Dusch, einem gemäßigten Anhänger der Reformpolitik. Nachdem die beeinflussten Wahlen als verfassungswidrig erklärt wurden fanden Neuwahlen statt, aus denen die Liberalen als Sieger hervorgingen. Der Kopf der gemäßigten Liberalen Johann Baptist Bekk kam zuerst ohne eigenes Ressort in die Regierung. Ende 1846 wurde er dann Innenminister. Er sprach sich für den Ausbau der Verfassung und die Einführung der Pressefreiheit aus. In diesen Jahren fand immer mehr die Spaltung der liberalen Opposition statt. Sie teilte sich in die Linken, auch Demokraten genannt, die den Radikalismus verkörperten, als Ziel die Republik hatten und sich auch der sozialen Frage widmeten. Zwei wichtige Vertreter der Demokraten waren Joseph Frickler aus Konstanz und Gustav Struve aus Mannheim. Die andere Gruppe waren die Gemäßigten, auch Liberale genannt, die einen Kompromiss mit der Regierung suchten und als Ziel die Modernisierung die konstitutionellen Monarchie, den Ausbau der Verfassung und weitere Reformen hatten. Die Ursache für die Abspaltung der Demokraten waren die Unruhen in Frankreich. Beide Gruppen stellten 1847 in Offenburg (Dem.) und Heppenheim (Lib.) unterschiedliche Programme zusammen. Während die Liberalen im Parlament stark vertreten waren, gab es dort nur wenige Demokraten. Einer von ihnen war Friedrich Hecker. Am 27. Februar 1848 stellten die Radikalen vier Forderungen auf. Sie forderten das Ende der Zensur, die Einführung von Bürgerwehren und Schwurgerichten und die Eröffnung eines gesamtdeutschen Parlaments. Nachdem auch die Gemäßigten die Forderungen unterstützten, stimmte die Regierung zu, doch die Radikalen machten zusätzliche Druck, indem sie zwölf weitere Forderungen proklamierten. Das Militär sollte einen Eid auf die Verfassung ablegen, das Feudalwesen sollte endlich vollständig beseitigt werden und die Verteilung der Staats- und Gemeindelasten sollten gerechter geregelt werden. Auch dazu war die Regierung bereit, worüber die Liberalen überaus zufrieden waren. Nur in bundespolitischen Fragen war der Großherzog zurückhaltend. Auch in der Regierung ging er auf die Liberalen zu, indem er den konservativen Finanzminister Regenauer entließ und ihn durch Carl Georg Hoffmann ersetzte. Sogar Blittersdorf musste seinen Posten aufgeben und ihn, was eine politische Sensation war, dem liberalen Welcker überlassen. Damit waren die Liberalen innerhalb weniger Tage zur Regierungspartei geworden und die Demokraten rückten in die Rolle der Opposition. Nicht nur in den Städten war der Protest gegen die alte Regierung zu spüren. So protestierten die Bauern in Südbaden mit der Missachtung der grundherrlichen Privilegien, der Verbrennung von Akten, der Stürmung von Rentämtern und der Plünderung von Herrensitzen und Schlössern. Doch mit schnellen Reformen und der Entsendung von Truppen wurde diesem Bauernaufstand bald ein Ende gemacht. Am 19. März 1848 fand die Volksversammlung der Demokraten in Offenburg statt. Dort wurde über eventuelle revolutionäre Aktionen oder eine Ausrufung der Republik diskutiert, aber sie verzichteten vorerst auf solche risikoreichen Unternehmungen. Die Regierung antwortete mit der Mobilisierung ihrer Truppen in Südbaden und der Überwachung der französischen und der schweizer Grenzen. Am 18. April ließ Staatsrat Mathy am Karlsruher Bahnhof Joseph Frickler verhaften. Trotz der geringen Unterstützung der Radikalen von der Bevölkerung reagierte Friedrich Hecker mit dem Beginn des ‚Hecker-Zuges’ auf diese Provokation. Die Kolonne startete in Konstanz mit 50 Mann und zog Richtung Donaueschingen, konnte sich aber nur auf 800 Mann vergrößern und war damit zu klein, um die Residenzstadt der Fürstenberger einzunehmen. So wurden sie von den in Donaueschingen stationierten württembergischen Truppen in den Schwarzwald abgedrängt. Sie wanderten weiter nach Lörrach und schließlich Richtung Freiburg. Bei Kandern stieß der ‚Hecker-Zug’ auf badische und hessische Truppen und es kam zu einem Gefecht mit großen Verlusten auf beiden Seiten. Wie auch zwei andere Kolonnen hatte der ‚Hecker-Zug’ keinen Erfolg, was zum Zusammenbruch der ersten Volkserhebung führte. Als Konsequenz verbot die badische Regierung die demokratischen Vereine und ermittelte gegen mehr als 4000 Personen wegen des Verdachts auf Hochverrat. 850 von ihnen gerieten in Haft. Auch in den anderen deutschen Ländern kam es in diesen Jahren zu Ausschreitungen, doch in keinem wurde wie in Baden die Republik angestrebt. In Österreich und Preußen zum Beispiel wurde lediglich für die Ablösung des Absolutismus durch eine konstitutionelle Monarchie revoltiert. Während Gustav Struve und andere nach dem Scheitern des ersten Revolutionsversuchs Pläne für eine weitere Erhebung schmiedeten, sah Friedrich Hecker keine Chancen mehr für die Errichtung einer Republik und emigrierte nach Amerika. Ein Anlass für einen erneuten Versuch bot die Enttäuschung über die unfähige Nationalversammlung. Am 20. September 1848 kehrte Stuve aus seinem französischen Exil zurück und überschritt bei Basel die Grenze, zog nach Lörrach ein und rief von dort die Republik aus. Dabei hoffte er auf den Ausbruch einer großen Revolution in jeder Gemeinde. Doch er hoffte vergeblich und konnte nur wenige Mitkämpfer rekrutieren. Bei Staufen stießen die wenigen kampfbereiten Revolutionäre auf die badischen Truppen. Nachdem seine Truppen geflohen waren wurde Struve verhaftet und musste sich in Freiburg vor Gericht verantworten. Nun bot die badische Regierung, dank ihrer erfolgreichen Reformpolitik, keinen Ansatz für Kritik mehr. Erst mit der Verabschiedung des deutschen Grundgesetzes geriet der Großherzog wieder unter Druck, diese Gesetze garantierten unter anderem die Presse- und Vereinsfreiheit und die Aufhebung der Standesvorrechte, die demokratischen Bewegungen konnten sich also wieder besser öffentlich organisieren und zu allem Überfluss wurde die 1. badische Kammer in Frage gestellt und ein Einkammernsystem gefordert. Auch die 2. Kammer sollte neu gewählt werden, denn das bisherige Wahlrecht erschien zu lückenhaft. Vor allem wussten die Demokraten das Wahlmännersystem und die Tatsache, dass 1/3 der volljährigen Männer von der Wahl ausgeschlossen waren, zu bemängeln. Doch die Liberalen gingen darauf nicht ein. Statt dessen versuchte man das Wahlrecht selbst zu reformieren. Auch hielten Regierung und 2. Kammer an der 1. Kammer fest. Im Mai 1849 kam es zum Höhepunkt der Unruhen, als die Paulskirchen-Verfassung nach der Zurückweisung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gescheitert war. In Baden folgte die dritte militärische Erhebung, allerdings waren die Erfolgschancen wesentlich höher als bei den beiden vorhergegangenen Versuchen, obwohl Großherzog Leopold bereit war die Verfassung anzunehmen und den Radikalen mit vielen erfolgreiche Reformen entgegengekommen war. Am 12. und 13. Mai stellten die Radikalen einen weiteren Forderungskatalog auf. Die badische Regierung sollte demnach bei der Bekämpfung der Fürsten helfen, welche die Verfassung ablehnten, insbesondere sollte den pfälzischen Revolutionären militärisch beigestanden werden. Auch sollte die liberale Regierung entlassen und durch eine radikale, unter Leitung von Lorenz Peter Brentano, welcher kein Abenteurer, sondern viel mehr ein kühler Rechner war, und Joseph Ignaz Peter, der radikalere der zwei Paulskirchenlinken, ersetzt werden. Die badische Regierung konnte gar nicht reagieren, da meuterten schon die badischen Soldaten in Rastatt. Am 13. Mai floh die großherzogliche Familie aus Baden. Daraufhin setzten die Revolutionäre eine Exekutivkommission ein, an deren Spitze Brentano als Vorsitzender und Amand Goegg als Finanzminister standen. Schnell wurde eine verfassungsgebende Landesversammlung einberufen und mit der Ausarbeitung einer zukünftigen republikanischen Verfassung beauftragt. Am 10. Juni fand die erste Sitzung des neu gewählten Landtags statt.
Friedrich Hecker Gustav von Struve Lorenz Peter Brentano Zu dieser Zeit waren ca. 5% der männlichen badischen Bevölkerung aktive Revolutionäre. Die meisten von ihnen kamen aus Südbaden und waren Handwerker, Bauern, Volksschullehrer, öffentliche Diener und vor allem Gastwirte. Aber auch viele andere waren dem bestehenden System überdrüssig. Sie kamen aus allen Schichten und Landesteilen und wurden so durch ihren gemeinsamen Kampf zu einem Volk vereinigt. Ob Kurpfälzer oder Fürstenberger, ob reich oder arm, von nun an waren alle Badener. Doch schon bald kamen preußische Truppen und warfen die Unruhen in den einzelnen deutschen Staaten nach und nach nieder. Doch die badischen Rebellen hatten gute Aussichten, sich gegen die Preußen zu verteidigen, denn sie wurden von geflohenen revolutionären Sachsen, Pfälzern und Preußen unterstützt. Es kam zu blutigen Kämpfen, die jedoch nicht lange anhielten, denn mit der Niederlage am 21. Juni bei Waghäusel und der Kapitulation der Festung Rastatt am 23. Juli, war die badische Republik besiegt worden. Am 18. August kehrte Leopold in preußischer Uniform nach Karlsruhe zurück und wurde mit einem feierliche Einzug empfangen. Die Resignation über die Niederlage war aber noch lange zu spüren. Mit der Niederschlagung der Revolution durch Preußen, begann auch die Abhängigkeit von dem norddeutschen Riesenstaat. Als Gegenleistung für die Hilfe bei der Rückgewinnung des badischen Throns musste Leopold ein Bündnis mit Preußen eingehen, was sehr riskant war, wenn es zu einem Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland gekommen wäre. Falls Österreich mit seinen Verbündeten, darunter Bayern und Württemberg, sich bei einer möglichen militärischen Auseinandersetzung behauptet hätte, dann wäre Baden wieder von einer Aufteilung des Territoriums gefährdet gewesen, denn Bayern hoffte immer noch auf die Zurückerlangung der Kurpfalz und Österreich auf die der südbadischen Gebiete. Aber Preußen gab schon bald den Versuch der Reichsgründung auf. Eine weitere Folge der gescheiterten Revolution war der aufgezwungene konservativere Kurs, den die badische Politik nehmen musste. So wurde der konservative Friedrich Adolf Klüber leitender Minister. Viele Revolutionäre gerieten in Haft, die Revolutionsführer jedoch konnten fliehen. 1500 Verfechter der badischen Republik wurden verurteilt, 24 davon zum Tode. Ihnen wurde aber auch die Staatsbürgerschaft entzogen und ihr Besitz wurde konfisziert. Es gab 4000 Anklagen wegen Hochverrats. Erst im Jahre 1862 wurde eine Generalamnestie erlassen. Die Emmigraten zogen in bisher ungekannten Maßen aus. Anfang des Jahres 1850 traten die beiden Kammern erstmals nach der Revolution wieder zusammen. Die Mehrheit stellten jetzt die konservativen Regierungstreuen, denn die Liberalen zogen sich von der politischen Bühne zurück. Viele Errungenschaften der Revolution wurden wieder rückgängig gemacht. So zum Beispiel die Presse- und die Vereinsfreiheit. Die enge Bindung Badens an Preußen endete Ende des Jahres 1850 nach dem Scheitern eines Reichsgründungsversuchs durch Preußen. Infolgedessen wurde Klüber entlassen und durch Freiherr Ludwig Rüdt von Collenberg-Bödigheim ersetzt, der aber die preußenfreundliche Politik seines Vorgängers fortsetzte.
Als Großherzog Leopold 1852 starb, folgte ihm sein Sohn Ludwig II. auf dem Thron, die Regentschaft übernahm aber dessen Bruder Friedrich, aufgrund Ludwigs Regierungsunfähigkeit. Friedrich wurde 1826 geboren. Seine Ausbildung bestand aus einer Militärzeit, langen Reisen und seinem Studium an den Universitäten in Heidelberg und Bonn. Dort wurde ihm ein liberal geprägtes Weltbild vermittelt. Er strebte daher einen liberalen Kurswechsel an, was allerdings vom Bund eingeschränkt, von der Bevölkerung aber begrüßt wurde. Nach der Übernahme der Regentschaft hob er im selben Jahr den immer noch geltenden Kriegszustand auf. Im Jahre 1856 wurde er noch zu Lebzeiten seines Bruders Großherzog. Er wollte aus Baden kein Reaktionsstaat, sondern ein liberales Musterland machen, was ihm später auch gelang. 1859 beschloss er eine Konvention mit dem Vatikan. Diese Konvention sollte der Kirche größere Freiheiten zum Beispiel bei der Stellenbesetzung und der Ausbildung einräumen. Der Konvention war ein langer Streit zwischen Regierung und Erzbischof vorausgegangen. Dieser gipfelte sogar in der Gefangensetzung des Oberhaupts der katholischen Kirche im Erzbistum Freiburg. Er wurde nach seinem Aufruf zur Gehorsamsverweigerung des Amtsmissbrauchs zur Störung und Gefährdung der öffentlichen Ruhe bezichtigt. Die Konvention war der Ausgangspunkt für einen innenpolitischen Umschwung, denn sie löste eine liberale Protestbewegung aus, was die Liberalen nach einem Jahrzehnt politischer Bedeutungslosigkeit wieder auf die politische Bühne zurückholte. Auch im engsten Kreis des Großherzog keimten Zweifel auf. Vor allem hatte Franz von Roggenbach bedenken gegen die Pläne der Regierung. Auch im Landtag waren nun die liberalen verstärkt vertreten, was 1860 zur Ablehnung der Konvention durch den Landtag führte. Die Bürgervertretung wollte die Rechte der Kirche nicht per Konvention, sondern auf dem Wege der Gesetzgebung regeln. Der Großherzog reagierte mit großer Bereitschaft zur Kooperation. Er machte die liberalen Anton Stabel und August Lamey zu den Ministern für Äußeres und Justiz und für das Innere. Dieser Zug war äußerst ungewöhnlich und sorgte für großes Aufsehen, auch im Ausland. Zudem gewehrte er den Ministerien freie Hand für die Ausarbeitung eines Reformprogramms. Im Oktober 1860 traten die neuen, vom Landtag gebilligten, Kirchengesetze in Kraft. Ein Jahr später wurde Roggenbach Außenminister. Auch errangen die Liberalen in diesem Jahr eine klare Mehrheit im Landtag, 1862 sogar 50 der 63 Sitze. Die Regierung hatte also großen Rückhalt in der 2. Kammer. Mit diesem setzte sie noch im selben Jahr die Gewerbefreiheit und den Abschluss der Judenemanzipation durch. Auch die Kinderarbeit wurde verboten und die Arbeiter standen von da an unter dem Schutz des Staates. Wichtiger waren allerdings die Justizreform und die Verwaltungsreform, in deren Mittelpunkt die Beseitigung der noch bestehenden Elemente des bürokratischen Absolutismus in der mittleren Verwaltungsebene stand. Für viel Aufregung sorgte das Schulaufsichtsgesetz des Jahres 1864. Demnach sollte die katholische Kirche aus der Erziehung verdrängt werden. Es sollten Ortsschulräte eingerichtet werden, die mit der Aufsicht über die Volksschulen betraut werden sollten, was einen starken Einflussverlust für die Kirchen bedeutete. Dementsprechend war auch der Protest vieler Katholiken. Diese ließen sich in einige Kreisversammlungen wählen, um dort aktiv Opposition zu betreiben. Den Sprung in den Landtag schafften sie jedoch nicht. Bei den Liberalen entwickelten sich immer mehr zwei Flügel, die sich zu spalten drohten. Die Linksliberalen forderten die weitere Einschränkung der kirchlichen Rechte, die Reorganisation der 1. Kammer und die Regelung der Ministerverantwortlichkeit. Der gemäßigte Flügel war für die Vermeidung von Konflikten mit dem Katholizismus und wollte dafür lieber die Verfassung ausbauen. Im Jahre 1865 spalteten sich die Liberalen in zwei Fraktionen. Die linken, denen etwa zwei Dutzend Abgeordnete angehörten, nannte sich fortan ‚Fortschrittspartei’. Eine Konfrontation beider Blöcke blieb jedoch aus, denn die nationale Frage rückte in diesen Jahren wieder verstärkt in den Vordergrund. Ein Krieg zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland stand nämlich kurz bevor. Der badische leitende Minister Roggenbach erarbeitete ein Konzept zur deutschen Frage. Demnach sollte ein Bundesstaat unter der Führung Preußens entstehen. Auch der Großherzog war für diese Lösung. Zum einen, weil er von Grund auf eine liberale Einstellung hatte, zum anderen, weil er mit Luise, der Tochter König Wilhelms I., verheiratet war. Ein weiterer Grund war die Stabilität, welche die kleindeutsche Lösung bieten würde, was auch die Durchsetzung landespolitischer Reformen erleichterte. Doch all diese Vorstellungen rückten wieder in weite Ferne, als Bismarck preußischer Ministerpräsident wurde und Preußen damit wieder einen konservativeren Kurs einschlug. Die Folge war der Rücktritt Roggenbachs 1865 als Außenminister. Im folgte Freiherr Ludwig von Edelsheim, der in größerer Distanz zu dem großen Land im Norden stand. Als 1866 der Krieg zwischen Preußen und Österreich ausbrach, versuchte Baden vergeblich seine Neutralität zu waren. Schließlich musste Baden doch zu Gunsten Österreichs in den Krieg eintreten. In der Schlacht bei Königgrätz besiegten die Preußen die Verbündeten um Österreich, was zu einem Kurswechsel der badischen Politik führte. Auch die Liberalen im Land sahen über ihre Differenzen hinweg und widmeten sich gemeinsam ihrem Ziel, der kleindeutschen Lösung. Nach dem Krieg wurde Carl Mathy leitender Minister und Julius Jolly wurde Innenminister. In den Friedensverhandlungen forderte Preußen hohe Reparationszahlungen ein. Der Krieg zwischen den beiden deutschen Großmächten leitete aber auch das Ende des deutschen Bundes ein. Baden war nun, genauso wie Bayern und Württemberg, völkerrechtlich unabhängig. Die norddeutschen Einzelstaaten und Preußen schlossen sich zum Norddeutschen Bund zusammen. Baden lehnte einen Südbund ab und hoffte auf den Anschluss an den Norddeutschen Bund.
In dieser Zeit forderten die Liberalen erneut eine Modernisierung der Verfassung. 1867 wurde die Vermögensqualifikation für Abgeordnete abgeschafft, so dass sich nun jeder unabhängig vom Unterhalt zur Wahl stellen konnte. In den nächsten Jahren wurde in Baden auch die geheime Wahl eingeführt, das vor allem bei der katholischen Opposition verhasste und von der liberalen Regierung geliebte Wahlmännersystem wurde jedoch beibehalten. Außer der Abschaffung diesen Systems forderten die Katholiken eine Wahlkreisreform. In dem bestehenden System wurden die Städte und die evangelischen Regionen bevorzugt. Die katholische Volkspartei forderte hingegen eine gerechtere Aufteilung. Auch wurde dem Landtag in diesen Jahren die Gesetzesinitiative zuerkannt, er konnte nun aktiv Reformvorschläge einbringen. Zudem entbrannte eine heftige Diskussion über die Zeitmäßigkeit der 1. Kammer. Die Adligen sollten durch Vertreter der großen Kommunen und durch Wirtschaftsleute ersetzt werden. Als 1870 der Krieg Preußens gegen Frankreich ausbrach, zogen die deutschen Einzelstaaten an Preußens Seite in den Krieg. Schon im nächsten Jahr hatte die deutsche Allianz Frankreich besiegt und gründete das deutsche Reich. Die Proklamation Wilhelms I. zum Kaiser erfolgte in Versailles. Das erste Hoch auf den neuen deutschen Kaiser sprach der badische Großherzog Friedrich I. aus, welcher als Vorkämpfer der deutschen Einheit galt. Er hatte zwischen Preußen und den Kleinstaaten vermittelt und wurde somit zum Kaisermacher. Nun gehörte auch Elsass-Lothringen zum Reich, was Baden zu einem deutschen Binnenland machte. In Baden gab es Proteste von Seiten der Katholischen Volkspartei, welche ein großes Deutschland mit Preußen und Österreich befürwortete. Baden musste viele Kompetenzen an das Reich abtreten. Die Bereiche Außenpolitik und Militär wurden vollständig von Berlin verwaltet, die Justiz teilweise. Der neue Staat hatte eine sehr föderalistische Verfassung. Er erlaubte seinen Bundesstaaten ein sehr breites Spektrum an Verfassungsformen und auch die Wahlverfahren waren den Ländern überlassen. Im Land setzte sich der langjährige Streit mit den Katholiken fort. 1868 starb der Freiburger Erzbischof. Eine Nachfolgerliste lag von Seiten der Kirche zwar vor, jedoch machte der Großherzog von seinem Veto-Recht gebrauch und lehnte alle Kandidaten ab, so dass die katholische Kirche in Baden für zwölf Jahr kopflos blieb. Während die liberale Fraktion eine weitere Einschränkung der Kirchenrechte forderte, wollte der Großherzog lieber den Frieden mit den Papisten suchen. Seit der Reichsgründung nannte sich die liberale Mehrheit im Landtag ‚Nationalliberale Partei’. Sie folgte stets einem dem Reich und dem Kaiser gegenüber loyalen Kurs. Als der preußische Ministerpräsident Bismarck sich aber von ihnen abwandte, ergaben sich für die junge Partei reichsweit große Probleme und Stimmenverluste. Bei den Landtagswahlen verloren sie nicht nur ihre 2/3-Mehrheit, sondern auch ihre alsolute Mehrheit. Diese Talfahrt war nicht von Dauer, denn bis zum Jahr 1887 erlangten sie schon wieder ¾ der Sitze in der zweiten badischen Kammer. Der Grund für das neuerliche Aufblühen der Liberalen war eine vehemente Unterstützung durch den Großherzog und der Rechtsruck der Partei nach dem Bruch mit Bismarck. Auch profitierten sie von der Schwäche der zurückgedrängten katholischen Volkspartei. Bei dieser stand, wie sich erahnen lässt, die Kirchenpolitik im Vordergrund. Zudem setzten sie sich vor allem für Agrarinteressen und den Mittelstand ein. 1881 konnte sich dann endlich ein neuer Erzbischof an die Spitze der badischen Katholiken stellen. Er verfolgte, wie der Großherzog, einen moderaten Versöhnungskurs. Die widerwillige KVP musste sich also unterordnen, was zu einer kurzfristigen Spaltung der Partei führte. Sieben Jahre später gaben sie sich, in Anlehnung an die Partei auf Reichsebene, den Namen ‚Zentrumspartei’. Ihr Ziel war die konsequente Opposition gegen die Nationalliberalen. Eine weitere Partei im Landtag war die ‚Deutsche Volkspartei (DVP)’. Sie war gegen ein preußisch dominiertes Reich. Die DVP war eine der demokratischen Parteien im Landtag, die eine freiheitliche Ausgestaltung der Reichsverfassung forderten. Die Demokraten hatten zwischen 1891 und 1903 aber immer nur vier bis acht Mandate. Die Konservativen kamen erst 1877 wieder in die Bürgerkammer. Sie hatten allerdings immer nur ein bis drei Mandate. Manche von ihnen waren näher an den Nationalliberalen, andere hingegen sympathisierten mit der katholischen Opposition. Später waren sie dann stärker antisemitisch ausgerichtet. Die SPD schaffte, vergleichsweise spät, erst 1891 den Sprung in den Landtag. Ihre Hochburgen waren Karlsruhe, Pforzheim und Mannheim. Die badischen Sozialdemokraten mussten allerdings viel Tadel der Reichs-SPD ertragen, welche sie oft wegen ihrer Bündnissen mit dem Zentrum und den Demokraten und vor allem wegen der Bewilligung des badischen Haushaltes durch die wenigen Abgeordneten rügte. Im letzten Jahr des alten Jahrhunderts errang die SPD in Baden sieben Mandate.
Das Karlsruher Ständehaus von außen ...und während einer Sitzung Großherzog Friedrich I. Sechs Jahre früher hatten die Nationalliberalen die absolute Mehrheit verloren, was zur Folge hatte, dass diese einen Kurswechsel bei der Wahlrechtsreform ansteuerten. Im Jahre 1900 konnte also endlich nach langer Diskussion und vielen Hürden das Wahlrecht reformiert werden. Nach dem liberalen Kurswechsel und dem Rücktritt des liberalen Ministerpräsidenten Nokk 1901, beschloss sich der Großherzog erstmals nach 40 Jahren, keinen liberalen Ministerpräsident zu ernennen. Statt dessen entschied er sich für den gemäßigten Konservativen Arthur von Brauer. Nach der Verfassungsreform von 1904 fanden ein Jahr später die ersten Landtagswahlen mit dem neuen Verfahren statt. Das Bündnis zwischen den Nationalliberalen, den Freisinnigen und den Demokraten, auch Kleinblock genannt, erreichte nur 36% der Mandate. Das Zentrum war mit 42% die stärkste Kraft, die SPD kam auf 17%. Die Konservative blieben unter 3%. Für großes Aufsehen sorgte die Annäherung der Nationalliberalen an die Sozialdemokraten. Gründe für die Hoffnung auf einen ‚Großblock’ war die Sicherung des Machterhalts, aber auch der besondere Charakter der badischen SPD. Trotzdem gab es auf beiden Seiten großen Widerstand, vor allem aber von der Reichs-SPD, welche sich gerne von den anderen Parteien distanzierte. Bei der Stichwahl in den Wahlkreisen verzichteten die Liberalen in fünf Kreisen zu Gunsten der SPD. Diese hingegen überließ den Liberalen 12 Wahlkreise. In den restlichen sechs, in denen beide etwa gleich gute Aussichten hatten, traten sie gegeneinander an. Diese Strategie entpupte sich als großer Erfolg. Das Zentrum konnte von diesen Wahlkreisen keinen einzigen mehr erobern. Die drohende absolute Mehrheit des Zentrum war also abgewendet. Doch war das neue Großblock-Bündnis oft umstritten. Vor allem die Regierung hatte Bedenken.
Nach 55 Regierungsjahren starb Großherzog Friedrich I. im Jahre 1907. Er hatte sein Land zum einzigen schuldenfreien Land des Reiches gemacht. Seine Frau Luise überlebte ihn um 16 Jahre. Während des ersten Weltkrieges leitete sie die Hilfe des badischen Frauenvereins und des badischen Roten Kreuz.
Großherzogin Luise von Baden Reichskanzler Max von Baden Großherzog Friedrich II. Nächster Großherzog wurde ihr Sohn Friedrich II. Seine Ehe mit Hilda von Nassau blieb kinderlos, so dass sein Vetter Max von Baden Thronfolger wurde. Bei den Landtagswahlen 1909 errang das Zentrum 26, die SPD 20 und die Nationalliberalen enttäuschende 17 Mandate. Danach verschärfte sich der Streit im Großblock. Vor allem beim Thema Aufrüstung war man verschiedener Meinung. Im Jahre 1910 schlossen sich die Demokraten zur Fortschrittlichen Volkspartei zusammen. 1914 demonstrierte die SPD zwar noch für den Frieden, nach dem Beginn des 1. Weltkriegs leugneten aber auch die Sozialdemokraten die deutsche Kriegsschuld. Um das Reich im Inneren zu sichern wurde der Burgfrieden vereinbart, welcher den politischen Status quo garantierte. Erst drei Jahre später brach die SPD den Burgfrieden, indem sie das Proportionalwahlsystem, die Aufhebung der Adelsprivilegien und vor allem den Verzicht auf territoriale Zugewinne forderte. Nach der Niederlage des Deutschen Reiches 1918 verkündet Reichskanzler Prinz Max von Baden am 9. November eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und übergab sein Amt dem Heidelberger Sozialdemokrat Friedrich Ebert. Der erste Weltkrieg hatte in Baden ca. 72600 Todesopfer gefordert, etwa 3,3 % der badischen Bevölkerung. Die Vorbereitungen für die Verhandlungen und den Friedensvertrag hatte schon genannter Max von Baden geleitet. Auch übernahm er die politische Verantwortung und zeigte somit menschliche Größe und Opferbereitschaft. In Baden bildete sich eine Koalition aus allen Landtagsparteien unter der Führung von Anton Geiß (SPD). Sie ersetzte die Regierung aber noch nicht den Großherzog. Erst am 14. November wurde dann auch in Baden die Republik proklamiert, nachdem der Großherzog am 11. November nach einem Aufstand aus Karlsruhe geflohen war. Am 22. November unterzeichnete er seinen Thronverzicht.
Weimarer Republik und NS-Diktatur Das Ständehaus blieb auch in der jungen Republik Sitz des Landtags. Auch tagte dort die verfassungsgebende Versammlung. Mit seiner am 25.März 1919 verabschiedeten Verfassung war Baden das erste deutsche Land mit einer Konstitution. Erster Ministerpräsident des neuen Freistaates wurde Anton Geiß von der SPD. Im Landtag waren das Zentrum mit 39 Sitzen, die SPD mit 36 Sitzen, die DDP mit 25 Sitzen und die DNVP mit 6 Sitzen vertreten. Die Probleme Badens zu dieser Zeit deckten sich größtenteils mit denen des Reiches. Vor allem die Reparationszahlungen, die Dolchstoßlegende, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise machten der Republik in Land und Reich zu schaffen. Über eine Zusammenlegung von Baden und Württemberg wurde zwar damals schon diskutiert, es ließ sich aber keine Mehrheit für ein solches Abenteuer finden. Während der Weimarer Republik regierte in Baden das Zentrum in einer Koalition mit der SPD und der DDP. Schon früher wollten die Württemberger das badische Territorium regieren. Im Jahre 1820 hatte König Wilhelm I. von Württemberg ein Konzept zur Weiterführung der Flurbereinigung vorgelegt. Es sollten vier große Königreiche entstehen. Württemberg, um Baden erweitert, Bayern, Hessen und Hannover. Sie sollten sich dann zu einer dritten Macht neben Preußen und Österreich zusammenschließen. Im Jahre 1918 sprach sich der spätere Bundespräsident Heuss für einen Zusammenschluss aus, was allerdings keine Beachtung fand. Schon in den 20er Jahren zogen viele Firmen nach Stuttgart. 1926 fusionierte Benz mit Daimler. Die Arbeitsplätze wanderten an den mittleren Neckar. So wurde das noch vor 1914 industriellere und wohlhabendere Baden nach dem Weltkrieg ausgebeutet. Im Laufe der Legislaturperioden hielt sich das Zentrum etwa gleich stark, die SPD verlor viele Stimmen und die Liberalen litten unter vielen Spaltungen. Einzig die Rechten gewannen Stimmen hinzu, bis die NSDAP nach der Machtergreifung Hitlers 1933 auf Reichsebene auch im Land die Regierungsgeschäfte übernahm. Reichsstatthalter im nun als Gau bezeichneten Freistaat Baden wurde Robert Wagner. Das im Jahre 1941 besetzte Elsass sollte nach dem Krieg, den Plänen des Regimes nach, mit Baden zum Gau Baden-Elsass zusammengeschlossen und der Regierungssitz nach Straßburg verlegt werden. Aus Baden stammten sowohl einige Nazi-Größen, wie zum Beispiel der Heidelberger Rüstungsminister Albert Speer und der Baden-Badener Leiter des Vernichtungslagers Auschwitz Rudolf Höß, als auch viele unbekannte Widerstandskämpfer. Doch Ende 1944 neigte sich der zweite Weltkrieg dem Ende, als das Elsass von den alliierten Truppen zurückerobert wurde und die alliierte Armee im März 1945 den Rhein bei Oppenheim überquerte. Die Befreiung des badischen Territorium erfolgte rasch. Nach Kriegsende wurde Heidelberg zum amerikanischen Hauptquartier. Baden-Baden das der Franzosen. Aber auch dieser Krieg hatte in Baden seine Opfer gefordert, etwa doppelt so viele, wie der erste Weltkrieg.
Karlsruhe nach dem 2. Weltkrieg Mannheim nach dem 2. Weltkrieg Freiburg nach dem 2. Weltkrieg
Die Nachkriegszeit und das Ende
Badens Die Aufteilung des besetzten Gebieten unter den Siegermächten war schon vor Kriegsende erfolgt. Die Amerikaner schlossen ihr Besatzungsgebiet in Nordbaden und Nordwürttemberg zu Württemberg-Baden mit einer ausschließlich württembergischen Regierung unter der Führung des Liberalen Reinhold Maier zusammen. Die Franzosen behielten die historischen Grenzen bei und übten ihre administrativen Maßnahmen in Südbaden und Württemberg-Hohenzollern aus. Während die Franzosen eher strenge Besatzer waren, verwalteten die Amerikaner ihre Zone milder und legten großen Wert auf die Entnazifizierung. Der Vorstoß Charles de Gaulles, Nordbaden gegen Württemberg-Hohenzollern auszutauschen, was eine Wiedervereinigung Badens unter französischer Besatzung bedeutet hätte, wurde von den Amerikanern entschieden zurückgewiesen. Noch im Jahr 1945 bat Reinhold Maier die Alliierten um die Vereinigung Württemberg-Badens mit Württemberg-Hohenzollern zu „Großwürttemberg“. Mannheim war ihm dabei als „Württembergs Tor zur Welt“ besonders wichtig. Südbaden wollte er zuerst systematisch ausschließen, denn die Südbadener waren katholisch, wählten konservativ und waren durch die Besatzung sehr arm geworden. Diese Bitte wurde von den Amerikanern jedoch nicht erfüllt. Am 18. Mai 1947 erhielt Südbaden eine neue Verfassung. Sie enthielt die Forderung nach einer christlichen Bildung und Erziehung, den Denkmalschutz, das Recht auf die Verweigerung des Militärdienstes und das Ziel der Vereinigung mit Nordbaden. Sie wurde als sehr vorbildlich angesehen. Erster und einziger Staatspräsident wurde Leo Wohleb von der BCSV (Badisch Christlich-Soziale Volkspartei), welche später Teil der CDU wurde. Die Verfassung Württemberg-Badens erlaubte eine Trennung des Landes nur mit einer 2/3-Mehrheit. Für die Eingliederung der Südteile reichte jedoch eine einfache Mehrheit. Nordbaden wurde damals eine Teilautonomie zugestanden. Es hatte eine Landesbezirksverwaltung deren Präsident der etablierte badische Politiker Heinrich Köhler (CDU) war. Er hatte eine kleine Ministerriege, konnte die Beamten im badischen Teil Württemberg-Badens ernennen und verfügte über einen Haushaltsplan über sein Verwaltungsgebiet. Der Ministerpräsident konnte dieses Recht jedoch jederzeit ausschalten. Dies geschah mit dem Tod Köhlers am 06.02.1949. Nach langem Kampf um ein vereinigtes Baden schwenkte Köhler um und befürwortete den Südweststaat am Ende seines Lebens. Um eine CDU-Mehrheit im Bundesrat zu sichern verkaufte er somit seine eigene Heimat. Leo Wohleb lehnte den Karlsruher Vertrag, welcher die Vereinigung der drei Länder mit innerer Autonomie der historischen Länder Baden und Württemberg vorsah, ab. Er wollte ein eigenständiges Baden. Damit stand er unter den westdeutschen Ministerpräsidenten allein da. Dass die Drei-Länder-Lösung im Südwesten nicht von Dauer sein dürfe war allen bewusst. Ins Gespräch kam neben der Wiedervereinigung beider Baden und beider Württemberg auch eine Fusion aller drei Länder. Für einen neuen Südweststaat kämpften vor allem Reinhold Meier, Gebhard Müller und auf Bundesebene Konrad Adenauer und Theodor Heuss. Auch die Gewerkschaften, die Industrie- und Handelskammern und die Wirtschaft warben für Baden-Württemberg. Für Baden kämpfte Leo Wohleb auf verlorenem Posten. Er konnte sich mit seinen Mitstreitern, darunter auch der ehemalige Reichskanzler des Zentrums, Joseph Wirth, nicht gegen das undemokratische Wahlsystem durchsetzen, welches Baden in zwei Abstimmungsbezirke teilte. Gebhard Müller sprach sich zuerst gegen dieses Wahlsystem aus. Auch die von Wohleb vorgeschlagene Alternativfragestellung befürwortete der württemberg-hohenzollerische Ministerpräsident. Einer Umfrage von Allensbach aus dem Jahre 1948 zufolge konnte der Südweststaat mit 54% Zustimmung rechnen. Eine weitere Umfrage zwei Jahre später, welche ein umgekehrtes Bild zeigte, ließ Müller seine Aussage revidieren. Vergeblich versuchte Wohleb die Heimatvertriebenen von der Wahl auszuschließen, welche gar keine Beziehung zum Land hatten und somit für den Südweststaat abstimmen würden, was sie dann auch taten.
Der badische Staatspräsident Leo Wohleb Reinhold Maier Am 15.03.1951 verlängerte der Bundestag die Landtage von Baden und Württemberg-Hohenzollern. Diese Entscheidung, welche zum Verzicht auf die Landtagswahlen, welche erst wieder im neuen Südweststaat stattfinden sollten, führt, war im Volk sehr umstritten. Die Parteien waren für die Vereinigung. Einzig die CDU war sich nicht einig. Es wurde beschlossen, dass die badische CDU im späteren Wahlkampf neutral sein sollte. Die württembergische jedoch bezog klar Stellung zu Gunsten des Südweststaates. Aus diesem Grund wurde das ‚badische Zentrum’ am 11.12.1951 wiedergegründet. Auch bildete sich die ‚Arbeitsgemeinschaft der Badener’, welche auf Initiative von Leo Wohleb im Februar 1949 in Karlsruhe ins Leben gerufen wurde. Neben anderen wurde er zum Ehrenvorsitzenden des gesamtbadischen Verbands mit Sitz in Freiburg. Es bildete sich aber auch die ‚Arbeitsgemeinschaft für die Vereinigung Baden-Württembergs’ und die ‚Vereinigung Südwest’. Im Jahr 1950 lagen dem Bundestag drei Entwürfe für die Neugliederung vor:
Der Vorschlag von Gengler und Kiesinger wurde mit einer Stimme Mehrheit vom Bundestag angenommen, allerdings mit Alternativfrage. Von badischer Seite wurde am 25. Mai 1951 Klage gegen jenes Abstimmungsverfahren erhoben, doch das Bundesverfassungsgericht war zu dieser Zeit noch nicht konstituiert, was zu einer Verzögerung der Wahl führte. Die Abweisung der Klage am 23.10.1951 machte dann den Weg frei für den anstehenden Volksentscheid.
Dieses Wahlsystem, gegen welches viele Beschwerden angeführt wurden, führte dazu, dass die Befürworter der Fusion bei der Volksabstimmung am 9. Dezember 1951 einen Sieg davon trugen. Zwar votierte die Mehrheit der badischen Bevölkerung für Baden (52,2 %), mit der Einteilung in vier ungleiche Wahlbezirke konnte Baden-Württemberg jedoch trotzdem durchgesetzt werden (Südbaden: 62,2 %; Nordbaden: 42,9 % für Baden). Für Baden sprach vor allem die Liebe zur Heimat, die Zufriedenheit mit dem bewährten Zustand und die Angst vor der Majorisierung durch die Württemberger. Die Argumente, welche für Baden-Württemberg sprachen, waren kleinlich. Die Wirtschaftliche Vorteile (vor allem für Stuttgart), ein Gegengewicht zur katholischen Mehrheit und zu den großen Ländern Bayern und NRW und schließlich noch die niedrigeren Verwaltungskosten überzeugten die meisten Nordbadener. Letzteres Argument lässt sich durch eine Bilanz aus dem Jahre 1957 widerlegen. Demnach war der Südweststaat um 16,2 Millionen DM teurer (40 %) als die drei einzelnen Vorvereinigungsstaaten.
Baden nach dem Zusammenschluss Die
Verwaltung des neuen
Bundeslandes war schnell organisiert. Man übernahm einfach die
bestehenden
Stuttgarter Ministerien, des ehemaligen Bundeslandes Württemberg-Baden
und ergänzte
diese, um einige Beamte aus den „annektierten Gebieten“. Am
11.10.1952 wurde der
Heimatbund Badenerland, als Zusammenschluss der beiden badischen
Arbeitsgemeinschaften, gegründet. Zum erster Vorsitzenden wurde Franz
Gönner
gewählt. Im oberbadischen Rundbrief
Nr.36
wurde der Zusammenschluss von Baden und Württemberg als illegal
bezeichnet, die
formale Gültigkeit wurde darin aber nicht wegdisputiert. Außerdem wurde
von
den Badenern, welche eine parteiübergreifende Opposition gegen die
Regierung
bilden wollten, eine erneute, gerechtere Abstimmung zur Legitimierung
des
Zustands oder zur Wiederherstellung Badens gefordert. Zu seinen
Aufgaben machte
diese neue Opposition die Durchsetzung eines Neuaufbaus der
Ministerien, die
Einrichtung zweier statt vierer Landesbezirke mit möglichst großen
Kompetenzen, Landtagsneuwahlen nach den Verfassungsarbeiten, mit dem
Ziel, die
Allparteienregierung (ohne die CDU) unter Reinhold Meier (DVP) zu
stürzen, eine
Volksabstimmung über die neue Verfassung und eine zweite
Volksabstimmung über
den Erhalt Baden-Württembergs im Landesteil Baden. Der
Zusammenschluss Badens
und Württemberg-Hohenzollerns war in sofern ein schwerer
Verfassungsbruch, weil
die beiden damaligen Bundesländer Württemberg-Baden und
Württemberg-Hohenzollern
das Bundesland Südbaden überstimmt hatte und es trotz der Ablehnung
durch die
südbadische Bevölkerung in die Staatenfusion gezwungen hatten. Würde
man
dieser Logik immer folgen, so könnte z.B. Deutschland z.B. die Schweiz
ohne die
Zustimmung ihrer Bevölkerung annektieren. Die
meisten
„altbadischen“ Vertreter im Landtag gehörten der CDU an. Obwohl sie bei
den
Wahlen versprachen, sich für Baden einzusetzen, unterließen dies die
meisten,
um ihr Mandat behalten zu können, denn die Landeslisten wurden
schließlich in
Stuttgart gemacht. Die bekanntesten Umfaller waren der Vorsitzende der
CDU Südbaden
Dichtel und der Karlsruher MdL Werber (Werber wurde 1953 sogar aus dem
Heimatbund Badenerland ausgeschlossen, weil er dem Vereinszweck
schadete). Sie
traten später als Staatsräte ohne Ministerium in die Landesregierung
ein und
begingen an ihrer Heimat Verrat, indem sie sich an der Blockade einer
zweiten
Volksabstimmung beteiligten. Der Heimatbund Badenerland drohte darauf
mit der Gründung
einer eigenen Partei für Baden. Auch setzte sich der Heimatbund dafür
ein,
dass sofort nach dem Fall der Sperre durch den Artikel 29 GG, welcher
bis 1956
eine erneute Abstimmung nicht erlaubte, dieselbe durchgeführt werden
sollte.
Einen Rückschlag erlitt die Badenerbewegung, als Leo Wohleb am
12.03.1955 in
Frankfurt starb. Nach
der zweiten
Bundestagswahl, einem grandiosen Sieg der CDU und dem Verlust von fast
der Hälfte
der Stimmen in Baden-Württemberg für die FDP, musste sich Reinhold
Meier der
Bundes-FDP, welche mit der CDU sympathisierte und koalierte, beugen.
Eine erste
Reaktion war der Rücktritt von Landesjustizminister Renner (SPD). Drei
Tage
nach der Wahl trat dann auch Reinhold Meier zurück und die Koalition
wurde um
die CDU erweitert, welche mit Gebhard Müller sogleich den
Ministerpräsidenten
stellte. Am 05.05.1955 wurde der Besatzungsstatus aufgehoben. Am
07.01.1956 lehnte
Bundesinnenminister Gerhard Schröder (CDU) die Beantragung eines
Volksbegehrens
durch den Heimatbund ab. Auch der kurz danach erfolgte Antrag zu einem
Volksbegehren nur in Südbaden wurde abgelehnt. Am
17.04.1956 stellte das
Bundesverfassungsgericht fest, dass die badische Bevölkerung bei der
Wahl zur
Vereinigung von Baden und Württemberg 1951 überspielt wurde. Es
revidierte
somit sein Urteil von 1951 und belegte dieses mit harscher Kritik. Nun
musste
der Heimatbund bis zum 10.09.1956 200.000 Unterschriften (ca. 10% der
badischen
Wahlberechtigten) sammeln. Unterschreiben konnte man allerdings nur zu
bestimmten Uhrzeiten in den Rathäusern der badischen Gemeinden. Viele
Badener
konnten nicht unterschreiben, da sie in der Erntezeit auf ihren Feldern
arbeiten
mussten und weil eine Verlängerung der Öffnungszeiten der Rathäuser von
Stuttgart aus vehement abgelehnt wurde. In Baden-Baden musste der
dortige Oberbürgermeister
vom Heimatbund gerichtlich dazu gezwungen werden, neben einem
entfernten und auf
einem Berg gelegenen Eintragungsbüro noch ein weiteres
verkehrsgünstigeres
einzurichten. Dennoch wurden bis zum Ablauf des Ultimatums 310.000
Unterschriften gesammelt. Stuttgart jedoch anerkannte das Ergebnis
nicht, denn
diese Unterschriftensammlung repräsentierte nur 15% der Badener. Im
März 1957 wurde von
badischer Seite ein Gesetzesentwurf für einen Volksentscheid nach
Artikel 29
Absatz 3 GG, der Antrag Kopf, eingereicht. Während MdL Werber diesen
Antrag
Kopf der Grundgesetzwidrigkeit beschuldigte, lehnte Ministerpräsident
Müller
den Entwurf ab, da sich der Bund noch nicht dazu geäußert hatte. Werber
versuchte nun den Volksentscheid so weit wie möglich hinauszuzögern,
indem er
vorschlug, in der nächsten Legislaturperiode einen neuen Antrag zu
entwerfen.
Dieser Vertagungsvorschlag wurde vom Bundestag mit großer Mehrheit
angenommen.
Im Jahr 1959 wurde der Antrag Kopf erneut abgelehnt. Bei
der Bundestagswahl 1957
kandidierte Werber für den Wahlkreis Karlsruhe. Von badischer Seite
wurde eine
große Kampagne zur Ablehnung desselben gestartet. Für die
Sitzverteilung im
Bundestag sei nur die Zweitstimme wichtig, die Erststimme solle dem
Kandidaten
Werber verweigert werden. Daraufhin ließ Werber verlauten, dass er
eventuell
doch einem Volksentscheid zustimmen würde, was ihm das Mandat rettete.
Für
einen Volksentscheid setzte er sich dann aber trotzdem nicht ein. Bei
seinem Ausscheiden aus
dem Ministerpräsidentenamt und seinem Antritt des Vorsitzendenpostens
am
Bundesverfassungsgericht war Müller 1958 der Meinung, dass bei einer
erneuten
Volksabstimmung alle Bundesbürger wählen sollten, denn die
württembergische
Bevölkerung wäre im Gegensatz zur badischen nicht mit einer Trennung
einverstanden. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Kurt Georg
Kiesinger. Auch er war ein Verfechter der Verzögerungspolitik. 1959
wurde die BVP
(Badische Volkspartei) gegründet. Sie wollte Baden im Landtag vertreten
und
einen schnellen, erneuten und gerechten Volksentscheid erwirken. Der
Heimatbund
Badenerland unterstützte die Partei zunächst nicht, denn er wollte
seine
politische Neutralität wahren und eine Spaltung des Bundes verhindern.
Die
Erzdiözese Freiburg unterstützte die neue Partei anfänglich, bis sie,
vom
Bundesverband der katholischen Kirche stark gerügt, ihre Haltung bald
wieder
revidierte. In der Satzung der Partei heißt es im ersten Paragraph:
„Die
Badische Volkspartei erstrebt als politische Partei in Baden auf der
Grundlage
der christlichen Weltanschauung und der föderalistischen Staatsordnung,
die
Verwirklichung, Sicherung und Erhaltung des demokratischen und sozialen
Rechtsstaates.“ Die CDU reagierte sehr strikt und teilweise ausfallend
auf die
neue politische
Konkurrenz. Der von
Wählerstimmenverlustangst geplagte Vorsitzende der CDU-Nordbaden Gurk
bezeichnete die Gründung der BVP als verbrecherischen Versuch, das
christliche
Lager zu teilen. Er wusste, dass die meisten neuen BVP-Wähler ehemalige
CDU-Wähler
sein werden. Für die CDU Baden-Württemberg war und ist die Einheit der
Partei
und des Landes Baden-Württemberg wichtiger als die freiheitlichen
Rechte. Um größere
Vertrauensschäden von der Partei abzuwenden gab die Stuttgarter
Regierung zu,
dass die (für die Öffentlichkeit nicht einsehbaren) Ergebnisse einer
Meinungsumfrage in Baden eine Mehrheit gegen den Südweststaat ergaben.
Um Zeit
zu schinden wurde den Badenern versprochen, sich der Prüfung der
rechtlichen
Grundlage für eine erneute Abstimmung anzunehmen. Auch reiste Kiesinger
zu
dieser Zeit oft im Land herum, um Bürgernähe zu demonstrieren und
Versprechen
abzugeben. Als Werbegeschenk für Baden-Württemberg gründete er in
Konstanz
eine Universität und hoffte somit, die badische Wählerschaft bestechen
zu können.
Dieses Engagement hatte seine erwünschte Wirkung. Umfragen in den
Jahren 1961
und 1962 sahen die Badenerbewegung nur noch bei ca. 20%. Nachdem
Verhandlungen
zwischen der BVP und der CDU über eine Vereinigung beider Parteien
geplatzt
waren, schloss sich die BVP am 06.03.1960 mit der DP
(Deutschlandpartei)
zusammen. Offiziell wurde die Partei DP/BVP genannt, auf dem Wahlschein
hieß
sie allerdings nur DP. Sie verpasste bei der Landtagswahl 1960 die
5%-Hürde.
Das beste Ergebnis erzielte sie mit 4,3% im Regierungsbezirk Freiburg.
Leo
Wohlebs Witwe Maria erhielt in Freiburg-Stadt 9,2% der Stimmen. Als
Erfolg
konnte jedoch verbucht werden, dass die CDU um fünf Mandate geschwächt
wurde.
Die Wahlbeteiligung bei dieser Landtagswahl war in Baden äußerst gering
(Nordbaden: 60%, Südbaden: 59,8%). Vier Jahre zuvor waren es noch ca.
70%. Bei
derselben Landtagswahl fand in Waiblingen eine CDU-FDP Wahlkooperation
statt. In
Waiblingen I. trat Reinhold Meier (FDP) von CDU und FDP unterstützt an
und
gewann das Direktmandat. In Waiblingen II. trat ein von CDU und FDP
unterstützter
CDU-Kandidat an. Das Direktmandat ging jedoch an die SPD. Nach dem
enttäuschenden
Ausgang der Landtagswahlen trennte sich die BVP am 18. September 1960
wieder von
der DP. Zwischen
Baden und Württemberg
war es mit einer Trennung nicht so einfach. Neue Streitigkeiten kamen
1961 auf,
als Kiesinger den Antrag für eine Volksabstimmung im Gebiet Baden
stellte,
welche allerdings eine Mindestwahlbeteiligung von 50% enthalten sollte,
die der
Heimatbund jedoch strikt ablehnte. Bei der Wahl zum Südweststaat Ende
1951 war
Kiesinger noch gegen ein Quorum gewesen und änderte seine Meinung, je
nachdem,
welches Verfahren die besseren Chancen für Baden-Württemberg bot. Die
Badener
beharrten immer noch auf dem Antrag Kopf. Dieser wurde im
Bundestagswahlkampf
von Bundesverfassungsgerichtspräsident Gebhard Müller
als verfassungswidrig bezeichnet. Seine Neutralität darf
allerdings
angezweifelt werden. Schon bald zog Kiesinger seinen Vorschlag zur
Volksabstimmung wieder zurück. Die Schuld schob er den widerwilligen
Badenern
zu. Darauf schlug Bundesinnenminister Höcherl eine Bestätigungsfrage
vor, doch
das hieße, dass bei einem NEIN zum Südweststaat nicht etwa Baden
wiederhergestellt würde, sondern dass dann erst mal weiterdiskutiert
oder eine
Abstimmung im gesamten Bundesgebiet folgen würde. Natürlich war der
Heimatbund
dagegen. Eine Bestätigungsfrage wäre ein Demokratieverfahren à la
Hitler, der
z.B. Österreich mit einer solchen dem deutschen Reich einverleibt
hatte. Bei
der Bundestagswahl verlor die CDU schließlich ihre absolute Mehrheit
und
bildete eine Koalition mit der FDP. Die neue Bundesregierung sprach
sich für
einen schnellen Volksentscheid in Baden aus. Diese Ankündigung löste in
Baden
eine Hochstimmung und große Hoffnung aus, welche sich in der nächsten
Zeit
jedoch als unbegründet entpuppten. Am
11. Juli 1961 wurde das
sogenannte Hessenurteil verkündet. Es galt zwar nur für die Kreise
Montabaur
und Rheinhessen, welche über ihre Landeszugehörigkeit zu Hessen oder zu
Rheinland-Pfalz entscheiden sollten, aber es hätte auch auf Baden
ausgeweitet
werden können. In dem Urteil wurde der Bund dazu verpflichtet, eine
Abstimmung
zur Neugliederung in den besagten Gebieten durchzuführen und er durfte
damit
nicht bis zur Wiedervereinigung Deutschlands warten. Am
11. Mai kündigte
Ministerpräsident Kiesinger an, dass die Landesregierung die
Baden-Frage in
dieser Legislaturperiode nicht mehr vorantreiben würde. Dass er vor der
Landtagswahl noch versprochen hatte, alle verfügbaren Mittel für eine
möglichst
baldige Abstimmung in Baden zu nutzen, interessierte ihn außerhalb des
Wahlkampfes nicht mehr. Als es darum ging das im Krieg zerstörte
Karlsruher Ständehaus
wiederaufzubauen wurden die benötigten Landesmittel von der
Landesregierung
verweigert. Da die Stadt Karlsruhe die Kosten nicht alleine tragen
konnte, wurde
das historische Gebäude abgerissen. Geldmangel kann die Landesregierung
damals
eigentlich nicht dazu gebracht haben, das Wiederaufbauprojekt nicht zu
fördern,
schließlich legte das Land 70 Mio. DM, davon ca. 30 Mio. badische
Steuern, für
eine Leitung an, welche den Stuttgarter Raum mit Bodenseewasser
versorgen
sollte. Zum
zehnjährigen Bestehen
des Landes Baden-Württemberg hängte ein Hausmeister einer Freiburger
Schule
ebendort eine Badenflagge auf Halbmast auf. Daraufhin drohte ihm das
Rathaus mit
der Entlassung, weil er an einem öffentlichen Gebäude eine unzulässige
Flagge
gehisst hatte. In
dieser Zeit, als das
Bundesvolk den Forderungen der Badener mit Unverständnis entgegentrat
und die
Heimatbündler mit Don Quichotte oder Michael Kohlhaas verglichen
wurden, trat
MdB (Direktmandat Karlsruhe) Max Güde (CDU) auf die Seite der Badener.
Er befürwortete
zwar den Südweststaat, Demokratie und Gerechtigkeit waren ihm jedoch
wichtiger,
was ihn dazu veranlasste sich für einen erneuten Volksentscheid
einzusetzen. Er
unterstützte im Bundestag den Antrag Kopf und wurde somit zu einem
moralischen
Leitbild, zumindest in Baden. Am 20. September 1963 rief die
Regierungen zu
einer baldigen Entscheidung auf. Währenddessen purzeln die Prozente für
den Südweststaat.
Durch die Generationenverschiebung verlor die Badenerbewegung damals
wichtige
Stimmen. Am
16. Oktober 1963 wurde
Ludwig Erhard deutscher Bundeskanzler. Obwohl sich nun plötzlich auch
viele
baden-württembergische Politiker für einen Volksentscheid aussprachen,
sollte
sich in seiner dreijährigen Amtszeit nicht mehr viel ändern. Der
SPD-Politiker
Weiler meinte, dass die badische Sache lieber in den Händen des
badischen
Volkes liegen sollte, statt in denen der Justiz. Nachdem die CDU dann
weiter
Verzögerungen verursacht hatte, beschlossen die aktiven Badener sich
mit der
SPD zu verbünden. Von der CDU distanzierte man sich immer mehr. Die SPD
betonte
zwar ihre Verbundenheit mit dem Südweststaat, wollte diesen aber
demokratisch
durch eine Volksabstimmung legitimiert sehen. Somit wurde die badische
Sache
schon bald zu einem Streit zwischen der Bundes-CDU und der Bundes-SPD.
Der
Heimatbund Badenerland oder gar die badische Bevölkerung selbst waren
machtlos
und konnten nur noch hoffen, dass Bonn einen erneuten Volksentscheid
möglichst
bald bewilligen würde. Während die SPD eine Änderung des
Grundgesetzartikels
29 (der die Neugliederung allgemein für das ganze Bundesgebiet
festlegt)
forderte, wollte die CDU eine Änderung des Artikels 118 (der die
Neugliederung
auf Baden-Württemberg beschränkt festlegt) erreichen. Nach einer
weiteren Ankündigung
der CDU, die „badische Krankheit“, wie sie das badische Anliegen
nannten,
aufzuschieben, rief der Heimatbund bei einer Mitgliederversammlung am
06.04.1964
zur Wahlenthaltung bei der nächsten Landtagswahl auf, falls bis dahin
kein gültiges
Gesetz vorliege. Er wollte die Wahlbeteiligung unter 50% drücken und
somit ein
Quorum bei der Badenabstimmung in Frage stellen. Im Wahlkampf plante
das ZDF den
Film „Die besten Grenzen sieht man nicht“ über die Neugliederung im
Südwesten
zu zeigen. Nach scharfem Protest der Landesregierung verzichtete das
ZDF auf
diese Reportage. Kiesinger wollte von dieser ganzen Aktion im
nachhinein nichts
gewusst haben. Außerdem drohte er mit seinem Rücktritt, falls nicht die
CDU-Landtagsmitglieder, welche Mitglied im Heimatbund sind, dort
austräten. Der
südbadische CDU-Vorsitzende Dichtel sprach sich sogar für einen
Ausschluss
sich weigernder CDUler aus. Auch die Erzdiözese Freiburg schaltete sich
in den
Landtagswahlkampf ein. Ihre Erklärung, dass Wahlenthaltung eine Sünde
sei
bescherte vielen aktiven Badenern Gewissensprobleme. Bei so viel
Gegenwind
konnte der Heimatbund bei der Wahl am 26. April 1964 nur einen herbe
Niederlage
einfahren. Die CDU kam mit einem Zuwachs von kapp 7% auf 46,2%. Die
Wahlbeteiligung stieg um knapp 9% auf 67,8%. Nichtsdestotrotz lag die
Wahlbeteiligung in den badischen Regierungsbezirken ca. 5% niedriger
als in den
württembergischen. Einen kleinen Erfolg konnte der Heimatbund jedoch
verbuchen.
Wegen ihres schlechten Gewisses hatten die katholischen altbadische
Wähler die
SPD gewählt und somit wahrscheinlich eine absolute Mehrheit der CDU
verhindert.
Bei der Mitgliederversammlung des Heimatbundes Badenerland im Juli
wurde heftige
Selbstkritik geübt. Die Zukunft für Baden sah düster aus. Auch wurde
auf der
Zusammenkunft ein neuer Vorsitzender gewählt. Der Karlsruher
CDU-Stadtrat
Reinhold Grund lösten Adolf Kühn ab. Ende
1964 erklärte
Kiesinger, dass er ein Quorum nicht mehr für nötig halte, da er so
überzeugt
von der Zustimmung zu Baden-Württemberg sei. Trotzdem ging es in der
Baden-Frage nicht weiter und eine weitere Verzögerung setzte ein.
Währenddessen
ging der CDU-Antrag zur Neugliederung vom Ältestenrat des Bundestages
wieder
zurück in den Rechtsausschuss, wo ein SPD-Antrag noch unbearbeitet
wartete. Der
Rechtsausschuss vertagte seine Aktivitäten (das Wort Aktivitäten
ist
hier wohl etwas übertrieben) in der Badensache auf die nächste
Legislaturperiode. Bei
der Bundestagswahl 1965
war die Landesliste Baden-Württemberg wie folgt mit badischen Bewerbern
besetzt: CDU (Plätze 3 und 10), SPD (Plätze 1, 4, 5, 9), FDP (Plätze 3,
5,
9). Die meisten und besten Plätze belegten die Württemberger. Nachdem
die
Bundestagswahl auch keine neue Situation zu Tage gebracht hatte,
äußerte sich
Kiesinger plötzlich, die Baden-Frage sei tot. Da diese Frage
offensichtlich
keinen Selbstmord begangen hat, fragt man sich, wer denn der Mörder
war? Als
Kiesinger 1966 nach
Bonn wechselte, um Kanzler einer großen Koalition zu werden, wurde Hans
Filbinger (CDU) sein Nachfolger. Angeblich war der gebürtige Mannheimer
vor
1952 selbst Altbadener gewesen, was er vermutlich nur behauptete, um
Wählerstimmen
für Baden-Württemberg zu sichern. Später stolperte er über seine
Vergangenheit und wurde zum Rücktritt gezwungen. Als Naziankläger und
-richter
war er für vier Todesurteile verantwortlich. Mit seinem seltsamen
Demokratieverständnis unterstützte er natürlich auch die
baden-württembergische
Sache und war grundlegend an der Verschleppung des zweiten
Volksentscheides
beteiligt. Eine weitgehende innere Autonomie Badens versprach er nur
vor den
Wahlen. Während der Legislaturperiode konnte er sich an diese
Versprechen nicht
mehr erinnern. Am 27. Mai 1966 gab der Heimatbund bekannt, dass
Baden-Württemberg
das am meisten verschuldete Land der Bundesrepublik Deutschland sei.
Daraufhin
behauptete Kiesinger, dass der Heimatbund es mit der Wahrheit nicht so
genau
nehme. Am 31. Januar musste der baden-württembergisch Finanzminister
jedoch
diesen traurigen Rekord bestätigen. Wer hat es da mit der Wahrheit
nicht so
genau genommen? Dass er Bürger als Lügner bezeichnet, weil sie die
Wahrheit
sagen, verwundert nicht vor dem Hintergrund, dass Kiesinger
baden-württembergischer
Ministerpräsident gewesen ist. Doch auch aus einem anderen Grund wurde
dieses
Jahr zu einem schwarzen Jahr für Baden. Der langjährige Verfechter der
badischen Sache Dr. Hermann Person kündigte seinen Ausstieg aus dem
sinkenden
Schiff an. Er anerkannte den Sieg der Macht des Faktischen und sah
keine Chance
mehr für die Wiederherstellung Badens. Aus diesem Grund schlug er sich
auf die
Seite des Gegners und langjährigen Widersachers. Angeblich war er schon
nach
der Bundestagswahl 1965 aus dem Heimatbund Badenerland ausgetreten. Als
Belohnung wurde er Regierungspräsident in Freiburg. An
einer weiteren
Vertagung des Rechtsausschusses waren wieder
CDU-Abgeordneten Schuld,
welche zu einer Karnevalssitzung nach Bad Godesberg mussten. Erst am 2.
Juli
1969 beschloss der Bundestag mit 375 Ja-, bei sechs Neinstimmen und 21
Enthaltungen für ein verfassungsänderndes Gesetz nach Vorstellung der
aktiven
Badener, welches am 11. Juli 1969 vom Bundesrat bestätigt wurde. Am 30.
Januar
verabschiedete der Bundestag das Durchführungsgesetz, welches
vorschrieb, dass
die Abstimmung nicht länger als bis zum 30. Juni 1970 verzögert werden
darf.
Die Wahlkampfthemen der Wiederherstellungs-Befürworter, welche nicht
von der
CDU-Südbaden unterstützt wurden, da diese lieber den Südweststaat
empfahl,
waren die 18jährige Verzögerung der Abstimmung, die undemokratische
Abstimmung
1951 und die Benachteiligung Badens. Außerdem versprachen sie in einem
neuen
Bundesland Baden den Bürokratieabbau voranzutreiben, auf kostspielige
Regierungsbezirke zu verzichten und weniger Schulden zu machen als
Baden-Württemberg.
Sie kritisierten den Bau des Rhein-Neckar-Kanals statt des Ausbaus des
Mannheimer Rheinhafens, den verspäteten Bau der A5 von Karlsruhe nach
Basel,
den Bau der Bodenseefernwasserleitung nach Stuttgart mit badischen
Steuergeldern, fehlende Rheinübergänge, die Verzögerung der
Elektrifizierung
der Schwarzwaldbahn, die Hinhaltetaktik bei der Schiffbarmachung des
Oberrheins
und fehlende Atomkraftwerke in Baden. Im Wahlkampf wurde jedoch
keineswegs mit
gleichen Waffen gefochten. Auf badischer Seite gab es zu wenige
berühmte
Redner. Viele mussten sich um ihren Beruf kümmern und hatten keine Zeit
sich
speziell für die Wiederherstellung zu engagieren. Die Südweststaatler
hatten
Zeit, Prominenz und Geld. Sie versprachen alles, was die Badener
anprangerten
und forderten, zu erfüllen. Die Badener mussten ihre Plakate selbst
bezahlen
und wurden von den Regierungsleuten als unglaubwürdig dargestellt. Auch
wurde
der badische Wahlkampf von den Medien kaum dokumentiert. Und wenn, dann
wurden
nur alte Leute abgebildet, dass jeder sehen konnte wie alt und
verstaubt die
Badener doch waren. Zudem machte Filbinger den Rentnern Angst, ein
eigenständiges
Baden könnte ihnen ihre Renten nicht mehr bezahlen. Für den Fall, dass
sich
die meisten Badener für eine Wiederherstellung ihres Landes aussprechen
würden,
erklärte er, er würde die Gerichte gegebenenfalls zehn Jahre mit
Prozessen
beschäftigen (mit welchen Argumenten frage ich mich?). Die
Wahl fand schließlich
am 7. Juni 1970 statt und war ein voller Erfolg für den Südweststaat.
Der
Heimatbund konnte nur 18,1 % der wahlberechtigten Bevölkerung Badens
für die
Wiederherstellung gewinnen.
Das
beste Ergebnis wurde mit 75,9 % in Waldhausen bei Donaueschingen
erreicht. Großzügigerweise
erstattete das Land dem Heimatbund, der sich durch den Wahlkampf tief
verschuldet hatte, seine Unkosten. Dafür erntete es viel Lob von Bund
und Ländern.
Als Konsequenz der Wahlniederlage lösten sich der Heimatbund
Badenerland und
auch die BVP auf, MdL Schrempp und der Karlsruher Stadtrat Grund legten
ihre
Mandate nieder. Nach 1970 klagten nur noch Einzelpersonen erfolglos
gegen die
Abstimmung. Sie pochten auf die Chancenungleichheit, denn während die
Landesregierung auf Steuergelder, auch die der
Wiederherstellungs-Befürworter
zurückgreifen konnte, mussten sich die Badener mit Beiträgen und
Spenden über
Wasser halten. Das Ergebnis war keine Legalisierung des 1952 auf
undemokratische
Weise gegründeten Baden-Württembergs, sondern der Versuch das Unrecht
mit
einem dünnen aber durchsichtigen Mantel Recht zu verdecken.
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